Chronik des Vereins von 1891 bis 1945

Der Bruderschaftsverein

Für die weitere Forschung zur Geschichte des Vereins ist vor allem das Protokollbuch und das Kassenbuch von entscheidender Bedeutung. Das Protokollbuch wurde 1891 angelegt, in das, beginnend mit der Liste der Gründungsmitglieder von 1891, die wesentlichen Themen und Ergebnisse der ordentlichen und außerordentlichen Generalversammlungen eingetragen wurden. Soweit nicht anders vermerkt, entstammen die nachfolgenden Zitate diesem Protokollbuch.

Neben diesen vereinseigenen Unterlagen sind die Dokumente im Stadtarchiv Menden und die damals schon erscheinende MENDENER ZEITUNG wichtige Quellen für die Vereinsgeschichte.

Die erste Eintragung im Protokollbuch geht in der Tat auf das Jahr 1891 zurück. Danach ist der Verein in diesem Jahre als „Bruderschaftsverein zu Wimbern“ neu gegründet worden. Mündliche Überlieferungen bestätigen übereinstimmend, daß dies in der Gaststätte Bürmann, Stakelberg, erfolgt ist.

Abbildung 23: Der Originalstempel des Bruderschaftsvereins. Der einzige  Abdruck, der überliefert ist, befindetsich auf der ersten Innenseite des  Protokollbuches.
Abbildung 23: Der Originalstempel des Bruderschaftsvereins. Der einzige Abdruck, der überliefert ist, befindetsich auf der ersten Innenseite des Protokollbuches.

Die Motive, einen Verein dieser Art zu gründen, sind sicher vielfältiggewesen. Zum einen ist hier der Verweis auf den Originalstempel von 1891 angebracht (siehe Abb. 23), der das brüderliche Handreichen zeigt und als Symbol des Miteinanders und Zusammenhaltens zu verstehen ist.

Zum anderen wird in der bereits genannten zeitgenössischen Quelle aus der MENDENER ZEITUNG das Motiv des Feierns deutlich angesprochen. Es geht den Schützen ganz einfach um das Fröhlichsein und um das gesellige Miteinander. Diese und ähnliche Gründe mögen die 24 Männer im Jahre 1891 bewogen haben, den Verein zu gründen.

Nähere Aussagen über den Verlauf der Gründungsversammlung sind dem Protokollbuch nicht zu entnehmen. Es liegt allerdings eine genaue Teilnehmerliste vor, die so zu deuten ist, daß diese Männer im Jahre 1891 den Mitgliedsbeitrag von 75 Pfg. leisteten. Damit wären die hier aufgeführten 24 Personen als Gründungsmitglieder zu bezeichnen.

Als Gründungsmitglieder des Bruderschaftsvereins sind aufgeführt:

    1. Franz Koerdt, Oberst
    2. Joseph Nadermann, Hauptmann
    3. Adolf Hellmig, Offizier
    4. Eberhardt Risse, Offizier
    5. Franz Göke, Fähnerich
    6. Joseph Beringhoff, Adjudant
    7. Franz Knieper, Rendant
    8. Kaspar Schüpstuhl Nr. 1
    9. Clemens Großkettler
    10. Christian Spiekermann
    11. Peter Beringhoff
    12. Kaspar Huckschlag
    13. Franz Großkettler
    14. Heinrich Großkettler
    15. Anton Abraham
    16. Wilhelm Brinkmann
    17. Heinrich Huckschlag
    18. Heinrich Schüpstuhl
    19. Kaspar Tagg
    20. Christian Beringhoff
    21. Wilhelm Gurris
    22. Franz Schotenröhr
    23. Anton Göke
    24. Heinrich Bettermann

Schon im nächsten Jahr konnte der gerade gegründete Verein den Mitgliedsbestand auf 70 Mitglieder erheblich ausweiten. Es wurden im Jahre 1892 als Mitglieder aufgenommen:

    1. Wilhelm Witmann
    2. Bernard Witman
    3. Kaspar Schüpstuhl Nr. 2
    4. Joseph Göke
    5. Heinrich Sander
    6. Heinrich Fildhaut
    7. Christoph Schlünder
    8. Karl Schröder
    9. Heinrich Dülberg
    10. Theodor Fildhaut
    11. Kaspar Knieper
    12. Heinrich Stute
    13. Wilhelm Luig
    14. Kaspar Risse
    15. Christoph Schüpstuhl
    16. Karl Bürmann
    17. Fritz Neuhaus
    18. Heinrich Weißenberg
    19. Herman Schröder
    20. Karl Korte
    21. Heinrich Schulte
    22. Heinrich Maier
    23. Peter Bettermann
    24. Heinrich Gurris
    25. Joseph Gurris
    26. Joseph Coerdt
    27. Eberhard Wierleuker
    28. Kaspar Haus
    29. Joseph Schüpstuhl
    30. Eberhard Langes
    31. Kaspar Koerdt
    32. Franz Rüschenbaum
    33. Heinrich Luig
    34. Wilhelm Hempelmann
    35. Wilhelm Schüpstuhl
    36. Joseph Jostmann
    37. Franz Götter
    38. Heinrich Beringhoff
    39. Heinrich Sturzen
    40. Joseph Schüpstuhl
    41. Franz Stutte
    42. Joseph Mölle
    43. Heinrich Mölle
    44. Fritz Gräbe
    45. Heinrich Bilge
    46. Kaspar Bilge

Auf Grund dieser Mitgliederliste und einiger weiterer Hinweise müssen wir heute annehmen, daß der Wimberner Verein ursprünglich Oesbern mit einschloß. Diese Feststellung wird im weiteren Text der Chronik öfters belegt werden.

Nicht nur wegen der gleichen Bildeweise der Ortsnamen, „berne“ = Born, Quelle, Bächlein, sind die beiden Nachbarorte Wimbern und Oesbern verwandt.

Vor allem aus der geschichtlichen Entwicklung wird die enge Bindung der Menschen beider Orte deutlich. Wimberner und Oesberner Kinder gingen bis 1893 zusammen zur Werringser Schule und kannten sich von daher gut. Die Kapelle in Werringsen und die Barger Kirche waren weitere Verbindungspunkte.

Später kam bei der Feuerwehr und dem Schulverband die Kombination Oesbern/Wimbern wiederum zum Tragen.

Auf diesem Hintergrund, daß die Oesberner bei der Vereinsgründung mit eingeschlossen waren, wird die hohe Zahl der ersten Mitgliederliste auch verständlich, denn Wimbern hatte zu der Zeit nur „233 Seelen“, wie die MENDENER ZEITUNG vom 17.12.1892 schreibt.

Oesbern hat sich dann 1904 ausgeklinkt und einen eigenen Schützenverein gegründet.

bbildung 24: Der Anfang des ersten offiziellen Antrags, 1892 ein Gänseköpfen mit Bierausschank zu veranstalten.
Abbildung 24: Der Anfang des ersten offiziellen Antrags, 1892 ein
Gänseköpfen mit Bierausschank zu veranstalten.

Schon im Jahre 1892 wurde der Verein bezüglich einer Festveranstaltung aktiv. Im Stadtarchiv Menden liegt noch der Originalantrag des Vorstandes,am 19.6.1892 ein Fest zu veranstalten (s. Abb. 24). Die Art der Abfassungund die Wortwahl sind neben der Bedeutung für den Schützenverein auch ein Dokument für Obrigkeitsdenken und Untertanengeist der damaligen Zeit:

„Wimbern,den 31.5.1892An den Herrn Ehrenamtmann von Dücker
Hochwohlgeboren MendenWir beabsichtigen auf den 19. Juni dieses Jahres unser diesjähriges Gänseköpfen verbunden mit einer Tanzlustbarkeit zu veranstalten. Es soll bei dieser Gelegenheit von dem Vereine Bier zur Ausschänkung gebracht werden, woselbiges an ein Vereinsmitglied dem Wilh. Brinkmann übertragen. Euer Hochwohlgeboren werden mit der gütigen Bitte ersucht, uns zu diesem Tage die Erlaubnis von des Nachmittags 3 bis 11 Uhr abends, gleichzeitig auch dem Wilh. Brinkmann die Concession zum Ausschänken von Bier auf einen Tag zu erteilen.In Erwartung auf Erfolg zeichnet unterthänigst
Fr. Koert.
Vorstand des Vereins.“

Dieser Ehrenamtmann von Dücker mochte wohl selbst die Festerlaubnisnicht erteilen und wandte sich mit diesem Antrag an den „Königlichen Landrat zu Iserlohn.“ Im Begleitschreiben fügte er ausdrücklich hinzu:

„Brinkmann ist eine nüchterne Person und hat Bestrafung nicht erlitten.“ 

Der mit solch einer Empfehlung ausgestattete Antrag wurde dann positiv beschieden. Die Entscheidung teilte Herr von Dücker dem Verein schriftlich mit:

“ An F. KoerdtAuf das geflissentliche Schreiben vom 31. Mai betreffs Ertheilung der Erlaubnis zum Ausschank von Bier am 19. des Monats durch den Wilhelm Brinkmann dortselbst bei Gelegenheit des Gänseköppens theile ich Ihnen hierdurch mit, daß ich den Ausschank von Bier (nicht von Branntwein) genehmige und gleichzeitig die Erlaubnis zur Feier mit Ball bis 11 Uhr abends ertheile. Es ist jedoch vorher eine Armenabgabe von 6 Mark an die Gemeindekasse Wimbern zu entrichten.“

Somit fand die erste Festveranstaltung des Bruderschaftsvereins bei Brinkmann (heute Schriek, Bachweg 14, siehe Abb. 25) am 19.5.1892 statt. Für diese Tatsache spricht auch, daß in der ersten Eintragung des Kassenbuchesim Jahre 1893 zuerst ein hoher Eingangsbetrag von 100,25 Mark zu verzeichnen ist, vermutlich der Gewinn des Festes von 1892.

Abbildung 25: Der alte Hof Brinkmann. Erbaut 1872. Hier wurde 1892 das erste Fest des Brudervereins gefeiert. Die Scheune im Vordergrund und die mächtige alte Eiche  existieren heute nicht mehr. Heute Schriek, Bachweg 14 (ein besseres Bild liegt leider nicht vor).
Abbildung 25: Der alte Hof Brinkmann. Erbaut 1872. Hier wurde 1892 das erste Fest des Brudervereins gefeiert. Die Scheune im Vordergrund und die mächtige alte Eiche existieren heute nicht mehr. Heute Schriek, Bachweg 14 (ein besseres Bild liegt leider nicht vor).

 

Vom Bruderschaftsverein zum Schützenverein

Bevor die weitere Entwicklung des Vereins im Nachfolgejahr 1893 dargestellt wird, soll an dieser Stelle ein weiterer interessanter Vorgang aus demJahre 1892 in Erinnerung gebracht werden.

Wie bereits eingangs erwähnt, fand die erste Mitgliederversammlung im Gasthof Bürmann, Stakelberg statt. In Wimbern gab es zu dieser Zeit schon die am 23.5.1813 eröffnete Gastwirtschaft Korte an der Ruhr, aber noch keine Gastwirtschaft im eigentlichen Dorf, also auch noch keinen Gastrat!

Abbildung 26: Der alte Hof Gosmann. Er wurde im Jahre 1725 erbaut und 1958  abgerissen. Heute Knieper, Oesberner Weg 20.
Abbildung 26: Der alte Hof Gosmann. Er wurde im Jahre 1725 erbaut und 1958 abgerissen. Heute Knieper, Oesberner Weg 20.

Aber schon am 1. November 1892 wurde von dem obengenannten Gründungsmitglied und Offizier Adolf Helmig – wohl auch unter dem Eindruck des gerade gegründeteten Vereins – beim Kreis Iserlohn ein „Antrag auf Ertheilung der Erlaubniß zum Betriebe der Schankwirtschaft in dem Hause Nr. 23 zu Wimbern“ gestellt (heute Knieper, Oesberner Weg 20; Haus Nr. 23 war der alte Hof Gosmann [Abb. 26], laut Steuerregister von 1717 war Gosmann damals auch Wirt).

Dieser Antrag wurde aber vom Kreisausschuß unter anderem mit der Begründung abgelehnt,

„…weil in einer Entfernung von etwa 1 km in der Nachbargemeinde Voßwinkel die Gastwirthschaft von Bürmann vorhanden ist, welche für das hervortretende Bedürfnis der Einwohner und Fremden in der Gemeinde Wimbern und besonders in der betreffenden Gegend vollkommen ausreichender scheinen.“

Aus einer Kneipe im Dorfkern von Wimbern wurde also noch nichts. Erst 1923 wurde hier die erste Gastwirtschaft von Franz Fildhaut eröffnet.

Zurück in das Jahr 1893 des Bruderschaftsvereins! Ein Jahr mit einigen einschneidenden Veränderungen innerhalb des Vereins! Dafür spricht allein schon die Tatsache, daß die Generalversammlung in diesem Jahr dreimal tagte (1. Mai, 15. Juni und 30. Juli). In der ersten Versammlung, am 1. Mai 1893 erfolgten die grundsätzlich neuen Weichenstellungen für die Zukunft des Vereins. Zum einen wurde eine Namensänderung vorgenommen, statt „Bruderschaftsverein zu Wimbern“ wählte man jetzt den Titel „Schützenverein Wimbern“. Zum anderen wurden die Statuten formuliert und von der Generalversammlung verabschiedet.

Abbildung 27: Der erste Paragraph der Statuten von 1893.
Abbildung 27: Der erste Paragraph der Statuten von 1893.

Besonders Paragraph 1 der Statuten spiegelt die politischen Verhältnisse am Ende des 19. Jahrhunderts wieder. Das Deutsche Reich wurde von Kaiser Wilhelm II. regiert, der die vaterländischen Interessen auch in einer aktiven Kolonialpolitik in Afrika zu vertreten suchte.

„Statuten des Schützenvereins Wimbern

§1

Unter dem Namen „Schützenverein Wimbern“ hat sich heute eine Gesellschaft gegründet, welche es sich zur Aufgabe macht, Eintracht, Geselligkeit und Frohsinn in geeigneter Weise zu beleben und die Liebe für Kaiser und Vaterland zu erhalten und zu befestigen.

§2

Mitglied des Vereins kann jeder werden, der in Wimbern oder einer der angrenzenden Ortschaften wohnt, das 18. Lebensjahr erreicht hat und in Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte ist.

§3

Die Mitgliedschaft geht verloren

1. durch rechtskräftiges Aberkennen der bürgerlichen Ehrenrechte;
2. durch Nichtzahlung der Beiträge;
3. durch Ausschließung seitens des Vorstandes wegen unwürdigen Betragens in oder außerhalb der Gesellschaft. Zu der Ausschließung ist eine Majorität von zwei Dritteln der anwesenden Mitglieder erforderlich.

§4

Der Vorstand des Vereins besteht aus dem Präsidenten, dem Oberst, dem Hauptmann, dem Rechnungsführer und fünf Offizieren. Derselbe wird durch die Generalversammlung auf je 3 nacheinanderfolgende Jahre gewählt. Die Wahl geschieht durch Stimmzettel nach einfacher Stimmenmehrheit. Wahl durch Zuruf ist zulässig, wenn kein Widerspruch erfolgt. Scheidet ein Vorstandsmitglied im Laufe der Wahlperiode aus, so soll dessen Stelle in der nächsten Generalversammlung durch Ersatzwahl wieder aufgefüllt werden.

§5

Der Vorstand vertritt den Verein in allen seinen Angelegenheiten, sowohlden Behörden, als Privatpersonen gegenüber, desgleichen in Prozessen. Er verwaltet das Vermögen der Gesellschaft, beruft die Generalversammlung, bringt deren und seine Beschlüsse zur Ausführung, leitet die Feste, wacht über die Beobachtung der Statuten und die Aufrechterhaltung der Ordnung und des Anstandes. Die Beschlüsse des Vorstandes werden mit einfacher Stimmenmehrheit gefaßt, bei Stimmengleichheit entscheidet der Vorsitzende. Über die Verhandlungen des Vorstandes ist ein Protokoll aufzunehmen.

§6

Vereinsfeinde sind ihres Amtes zu entheben und sofortige Neuwahl für den Rest der Wahlperiode vorzunehmen.

§7

Das Rechnungsjahr des Vereins fällt mit dem Kalenderjahr zusammen.

§8

Sollte der Verein sich auflösen oder aufgehoben werden, so soll dessen Vermögen zu gleichen Teilen den Armen der Gemeinden in Wimbern und Oesbern überwiesen werden.

Vorstehende Statuten wurden in der heutigen Generalversammlung festgesetzt und angenommen.

Wimbern den 1. Mai 1893

Der Vorstand des Schützenvereins Wimbern “

Paragraph 8 belegt, daß der Verein ursprünglich Oesbern einschloß.

Insgesamt erfolgte der Übergang vom Bruderschaftsverein zum Schützenverein relativ nahtlos, dafür spricht:

  1. daß dasselbe Protokollbuch weiterbenutzt wurde,
  2. daß das Barvermögen des Bruderschaftsvereins vom Schützenverein als erste Eintragung unter den Einnahmen von 1893 im Kassenbuch verbucht wurde (100,25 Mark),
  3. daß nahezu der gleiche Personenkreis in Vorstandsfunktionen zu finden ist.

Zu dieser ersten Generalversammlung des Schützenvereins in der „Bürmannschen Wirtschaft zu Stakelberg“ fanden sich „ungefähr 40 Mann“ ein. Auf dieser Generalversammlung wurden die beiden Gutsbesitzer Schlünder und Bering aktiv. Beide waren auf der Gründungsversammlung von 1891 noch nicht in Erscheinung getreten. Christoph Schlünder hatte sich bereits 1892 eintragen lassen, während Wilhelm Bering hier erstmalig zum Verein stieß. Ausdrücklich weist das Protokoll dieser Sitzung darauf hin, daß die beiden Gutsbesitzer gleich zu Beginn der Versammlung 50 Liter Bier spendeten. Nach ordnungsgemäßer und einstimmiger Wahl übernahmen die beiden Herren auch sofort die entscheidenden Führungspositionen: Christoph Schlünder wurde Präsident und Wilhelm Bering zu Beringhoff Oberst des Vereins. Mit der recht ungewöhnlichen Teilung der Führungsspitze in Präsident und Oberst des Vereins (s. § 4 der Statuten) wurde bewußt eine neue Konstruktion geschaffen, die es ermöglichte, beide Herren an den Vereinzu binden. Diese Aufteilung der Führungsposition hatte immerhin sechs Jahre Bestand. Erst bei den Vorstandswahlen im Jahre 1899 wurde beschlossen, denPosten des Präsidenten bzw. Präses wieder zu streichen – wohl auch deshalb, weil Gutsbesitzer Christoph Schlünder (gestorben 24.9.99) nicht mehr zurVerfügung stand und auch schon auf den Generalversammlungen in den beiden Jahren vorher laut Protokollbuch gefehlt hatte.

Nur in den Aufzeichnungen des Jahres 1893 (Statuten und Protokoll der Generalversammlung) wird der Begriff des „Präsidenten“ verwendet, in den späteren Jahren bis 1899 wird nur noch die Bezeichnung „Präses“ für dieselbe Position benutzt. Ab 1948 taucht der Begriff „Präses“ wieder auf, allerdings ist damit ab diesem Zeitpunkt der die Schützenbruderschaft betreuende Geistliche gemeint, in der Regel der Barger Geistliche.

In die wichtige Funktion des Rendanten wurde der Vorsteher Anton Goeke (genannt Hellmig) gewählt. Ein Rendant ist Schrift- und Kassenführer zugleich. Den recht genauen Aufzeichnungen des Rendanten Anton Goeke ist es zu verdanken, daß die Entwicklung des Vereins überhaupt zu rekonstruieren ist. Er war von 1893 bis 1902 Rendant des Vereins, und von 1902 bis 1905 dessen Oberst.

Typisch ist auch, daß von den neun Vorstandsmitgliedern drei aus dem Bereich der Gemeinde Oesbern stammten: der 1. Fahnenoffizier Wilhelm Gurris aus Werringsen und die Offiziere Josef Sturzenhecker (Oesbern) und Heinrich Schulte (Werringsen). Ein weiteres Zeichen für die ZugehörigkeitOesberns.

Die weiteren Tagesordnungspunkte der Generalversammlung Mai 1893 beschäftigten sich vor allem mit der Ausrichtung des ersten Schützenfestes, das nach den damals geltenden Bestimmungen nur an einem Tage gefeiert werden durfte. Erstmalig mußte eine Vogelrute (Vogelstange) besorgt werden, ein Zelt sollte von Echthausen oder Voßwinkel geliehen und die gesamte Restauration mußte organisiert werden.

Der Jahresbeitrag für Schützenbrüder wurde auf 3,- Mark, das Eintrittsgeld für Herren auf 1,- Mark und für Frauen auf 0,50 Mark festgesetzt.

Für das Fest wurde eine Festordnung beschlossen, die auch in den nächsten Jahren ihre Gültigkeit behielt:

Festordnung

1. Jedes Mitglied ist verpflichtet, die öffentlichen Umzüge mit Gewehr mitzumachen. Ausgenommen sind Mitglieder, die das 50. Lebensjahr erreicht haben.

2. Der Vorstand ist ermächtigt, Mitglieder, die nicht mit dem Gewehr umzugehen wissen, oder dazu ein ungeeignetes Gewehr haben, von dem Vogelschießen auszuschließen.

3. Der König bekommt M 12,- Prämie aus der Vereinskasse, hat aber dafür eine silberne Gedenkmünze, welche einen Wert von mindestens M 3,- haben muß, an den Schützenvogel zu heften. Nach Schluß des Festes hat derKönig den Schützenvogel an den Oberst oder an die Vorstandsmitglieder abzugeben. Außerdem hat der König für das nächste Fest einen hölzernen Vogel zu liefern.

4. Der König wird innerhalb des Dorfes Wimbern oder dessen Grenze abgeholt und im feierlichen Aufzug nach dem Festplatz geführt.

5. Wenn eine Schützenmesse gelesen wird, so sollen sämtliche Mitglieder verpflichtet sein, oder im Verhinderungsfall dessen Angehörige, daran teilzunehmen. Welcher ausbleibt, bezahlt M 0,50 an die Schützenkasse.“

Die Funktion des Königs wird unter den Punkten 3 und 4 angesprochen, hier wird allerdings nicht erwähnt, daß der König seine Regentschaft alleinausübte, also ohne Königin und Hofstaat. Diese Regelung galt übrigens bis 1910.

Abbildung 28: Die Königskette mit dem Schützenvogel, wie er auch heute noch existiert.
Abbildung 28: Die Königskette mit dem Schützenvogel, wie er
auch heute noch existiert.

Bei dem unter Punkt 3 angesprochenen Schützenvogel ist der silberne Schützenvogel der Königskette gemeint (siehe auch Abb. 28).

Die von Anfang an enge Bindung des Vereins an die Kirche wird nicht nur unter Punkt 5 deutlich. Aus den Aufstellungen des Kassenbuches geht auch hervor, daß seit 1893 bei jedem Schützenfest ein Schützenhochamt gegen das übliche Entgelt gelesen wurde.

Auf dieser Generalversammlung wurde auch der wichtige Beschluß gefaßt, „eine Fahne mit dem Bild des Heiligen Johannes im Wert von ca. M 100,- anzuschaffen.“ Damit ist auch recht einleuchtend und einfach erklärt, warumauf der heute noch existierenden Schützenfahne (siehe Abb. 29/30) das Auftragsjahr 1893 und nicht das Gründungsjahr 1891 eingestickt wurde.

Das Bild des Heiligen Johannes auf der Fahne ist sicher gewählt worden, weil St. Johannes der Patron der zuständigen Kirche in Barge war. Die Fahneträgt aber auch das Bild des Heiligen Michael. Dieser ist der Patron der Kapelle in Werringsen. Das könnte zum einen ein Hinweis auf eine alte Tradition der Wimberner Schützen sein, haben doch die Wimberner schon im 18. Jahrhundert in der St. Michaels Kapelle Schützenmessen abgehalten. Zumanderen könnte die Darstellung des Heiligen Michaels auf der Fahne auch so gedeutet werden, daß damit die Verbundenheit von Wimbern und Oesbern (Michaelskapelle) deutlich werden sollte. Wahrscheinlich treffen beide Auslegungen zu.

Abbildung 29: Die Vorderseite der ersten Fahne von 1893 mit dem Bild des Heiligen  Johannes des Täufers.
Abbildung 29: Die Vorderseite der ersten Fahne von 1893 mit dem Bild des Heiligen Johannes des Täufers.
Abbildung 30: Die Rückseite der Fahne mit dem Bild des Heiligen Michael, wie er den  Drachen besiegt.
Abbildung 30: Die Rückseite der Fahne mit dem Bild des Heiligen Michael, wie er den Drachen besiegt.

Schon innerhalb der nächsten Wochen mußten die Schützenbrüder feststellen, daß ihr erstes Schützenfest nicht so einfach und schnell zu organisieren war. Man traf sich zu einer erneuten Generalversammlung – diesmal in der Gastwirtschaft Korte am Graben.

Hier mußten konkretere und zusätzliche organisatorische Absprachen getroffen werden, so wurde zum Beispiel festgelegt, daß die Vogelstange erstmaligauf dem Heubruch (heute 150 m westlich von Korte, Feldweg 40) aufgestelltwerden sollte.

Der ursprünglich ins Auge gefaßte Festtermin wurde verschoben.

 

Der Kampf um ein zweitägiges Fest

Besonders bemerkenswert ist, daß schon auf der Versammlung am 1.Mai 1893 der Beschluß gefaßt wurde, beim Regierungspräsidenten eine Festgenehmigung für zwei Tage zu beantragen.

Dieses Thema war für den Verein von übergeordneter Bedeutung. Der Vorstand hatte schon damals erkannt, daß nur ein zweitägiges Fest dem enormen organisatorischen Aufwand entsprechen und den finanziellen Rahmen absichern würde. Überzeugt von dieser Einstellung entwickelte der Vorstand in diesem und in den folgenden Jahren eine außerordentliche Phantasie bei der jeweiligen Beantragung eines zweitägigen Festes. Bei der Beantragung der Festgenehmigung für das Schützenfest 1893 führt der Verein im Schreiben vom 14. Mai 1893 folgendes Argument an:

„…Wenn nun schon die Erteilung der Erlaubniß zur Feier an zwei Tagen zuversagen ist, so mögte Euer Hochwohlgeboren ich doch gehorsam bitten, dem Wunsch des Vereins geneigt zu entsprechen, und die Erlaubniß für 2 Tage ertheilen zu wollen. Die Gemeinde Wimbern hat große Bauernhöfe, welche 3 – 6 Knechte halten. Zur Zeit der Schützenfeste gehen diese meistens an den betreffenden Tagen, an denen in ihrer Heimat Schützenfest gefeiert wird, zu denselben, und somit ist der betreffende Hofbesitzer verschiedentlich geschädigt, da derselbe den Knechten den Urlaub nicht abschlagen kann. Ist aber in der Gemeinde Wimbern Schützenfest, so können alle an diesem theilnehmen und erhalten keinen weiteren Urlaub.“

Auch eine sehr interessante Begründung!

Als dem Verein wohl zu verstehen gegeben wurde, daß ein zweitägiges Schützenfest nicht genehmigt werden konnte, traf man sich zu einer weiteren Generalversammlung (30. Juli 1893). Der ursprünglich vorgesehene Schützenfesttermin wurde erneut verschoben. Als endgültiger Termin wurde der 14.8.1893 festgelegt. Hinsichtlich der Feierlichkeiten für zwei Tage fiel den Schützenbrüdern eine neue Lösung des Problems ein. In einem Brief vom 4. August 1893 schreibt der Vereinspräsident Christoph Schlünder kurz und bündig:

„Euer Wohlgeboren bittet der Vorstand des Schützenvereins Wimbern für den 13. August d. J. zu einem Freikonzert, für den 14. August zur Feier des Schützenfestes und für beide Tage zum Bierausschank die erforderliche polizeiliche Genehmigung geneigtest ertheilen zu wollen.“

Und siehe da, dieser neuformulierte Antrag wurde mit einigen Auflagen umgehend genehmigt. Die Polizeistunde wurde für das Freikonzert auf 10 Uhr abends und für das Schützenfest auf 12 Uhr abends festgelegt. Bei Mißbrauch der gesamten Erlaubnis wurde eine „herbe Bestrafung“ und eine Verweigerung der Genehmigung für die Zukunft angedroht.

Abbildung 31: Das Inserat in der MENDENER ZEITUNG vom 12.8.1893 für daserste Schützenfest am 14.8.1893.
Abbildung 31: Das Inserat in der MENDENER ZEITUNG vom 12.8.1893 für daserste Schützenfest am 14.8.1893.

Auch bezüglich der Öffentlichkeitsarbeit war der erste Vorstand des Vereins bemerkenswert aktiv. Zwei Tage vor dem Fest erschien in der MENDENER ZEITUNG ein relativ großes Inserat (siehe Abb. 31), mit dem auf das Schützenfest aufmerksam gemacht wurde. Es handelt sich dabei um die erste Anzeige, die der Verein überhaupt in Auftrag gegeben hat.

Aus diesen Darlegungen geht eigentlich recht deutlich hervor, mit welchen behördlichen, organisatorischen und technischen Schwierigkeiten der Verein bei der Ausrichtung des ersten Schützenfestes zu kämpfen hatte. Entscheidend aber ist, daß die damaligen Schützenbrüder trotz aller Widerstände und Probleme es mit Phantasie und Einsatz geschafft haben, das erste Fest zu organisieren und zum Erfolg zu bringen.Daß dieses erste Schützenfest ein voller Erfolg wurde und auch Gäste aus den umliegenden Ortschaften anzog, geht auch aus einem Bericht der MENDENER ZEITUNG vom 22.8.1893 hervor:

 „Das zum erstmal hier gefeierte Schützenfest nahm einen recht gemütlichen Verlauf. Besonders die Teilnehmer aus Menden verlebten hier einige recht köstliche Stunden, wofür ja besonders die Thatsache spricht, daß nicht weniger als 20 dortige Bürger sich als Wimberner Schützenbrüder einschreiben ließen.“

Der Erfolg des Schützenfestes läßt sich auch an Hand konkreter Zahlen aus dem Kassenbuch nachweisen:

Die Einnahmen (einschl. der Übernahme vom Bruderschaftsverein und der Mitgliedsbeiträge) betrugen 1.242,31 Mark, die Ausgaben 928,45 Mark. Es blieb also ein Reingewinn von 313,86 Mark. Es wurden ca. 15 Hektoliter Bier verzapft.
Erster König wurde Peter Beringhoff.

Der Mitgliedsbestand war auf die beachtliche Zahl von 138 Mitgliedern und vier Ehrenmitgliedern angewachsen.

Welch merkwürdige Rolle der Zufall in der Geschichte unseres Vereins spielt, wird unter anderem auch aus folgender Begebenheit deutlich: Als es im Januar 1989 zu einem Brand in der ehemaligen Wimberner Schule (heute Arnsberger Str. 16) kam, fanden die Handwerker der Firma Dünschede bei den Aufräum- und Reparaturarbeiten zwischen den oberen und unteren Dielen der Holzdecke ein besonderes Brett, das von beiden Seiten mit Bleistift beschrieben war. Auf der ersten Seite steht:

„Gebaut am 21. September 1893
Wir Heinrich Beringhoff und Theodor Fildhaut unter der Meisterschaft H.Lenze, Bauunternehmer aus Menden. In diesem Jahre war in Wimbern das erste Schützenfest. Heute war der Gastebilder hier und dotahl besoffen“

Auf der Rückseite steht:

„Theodor Fildhaut aus Schwitterknapp No. 63, Heinrich Beringhoff aus Wimbern“

Dieses Schriftdokument bedarf einer gewissen Interpretation: Theodor Fildhaut und Heinrich Beringhoff waren Zimmerleute, keine Maurer (Heinrich Beringhoff war übrigens der Onkel unseres ältesten Vereinsmitgliedes Josef Beringhoff). Nach Abschluß der Zimmerarbeiten wollten die beiden vermutlichder Nachwelt ein Zeugnis hinterlassen. Der Bau der Wimberner Schule – einlang ersehntes großes Ziel der Wimberner – ging dem Ende zu, und im selben Jahr 1893, einen Monat vorher, feierte Wimbern das erste Schützenfest. Für ein kleines Dorf zwei Großereignisse innerhalb eines Jahres, die damals von den beiden Zimmerleuten auf dem Brett festgehalten wurden.

Mit dem „Gastebilder“ (Gäste-Bitter) ist mit einiger Wahrscheinlichkeit die Person gemeint, die zur Feier – vermutlich dem Richtfest – eingeladen hat, also die G ä s t e g e b e t e n hat zu kommen, möglicherweise könnte es sich auch um den Namen einer bestimmten Person gehandelt haben.

Wie dem auch sei, das so beschriebene Brett wurde zwischen der Holzdecke versteckt und 96 Jahre später durch Zufall wiedergefunden.

Im Folgejahr 1894 beschloß zwar die Generalversammlung, das Fest am 3.und 4. Juni des Jahres zu feiern, doch die Genehmigung wurde ausdrücklich nur für den 4. Juni erteilt und auch nur „…mit der Voraussetzung, daß jegliche Vor- und Nachfeier ausgeschlossen ist.“

Erstmalig vermerkt das Protokollbuch auch den Ort der Feierlichkeiten: „Das Schützenfest wird auf dem Platz bei der Scheune der Frau Goeke gefeiert.“ (Heute Schumacher, Arnsberger Straße 57). Es spricht einiges dafür, daßauch das erste Schützenfest 1893 hier stattfand.

Im Jahre 1895 ließ sich der Verein eine neue Argumentation bezüglich eines zweitägigen Festes einfallen und schickte den Gemeindevorsteher Anton Goeke zur Durchsetzung dieses Ziels nach Menden. Dieser erläuterte dem Ehrenamtmann, daß am 14. Juli das Fest des Bruderschaftsvereins (den es in der Form schon längst nicht mehr gab) und am 15. Juli das Schützenfest stattfinden sollte.

Es war klar, daß die beantragten Feierlichkeiten alle unter einer Regie – nämlich unter der des Schützenvereins – laufen sollten. Aber auch der Ehrenamtmann muß den raffinierten Antrag wohl schnell durchschaut haben und gab dies in seiner Antwort auch deutlich zu verstehen: „Ich versage daher die Erlaubniß zur erdachten Feier.“ Dieses ‚erdacht‘ ist hier im Sinne von ‚ausgedacht‘ oder ‚erfunden‘ zu verstehen.

Für den 15. Juli wurde das Schützenfest – wie beantragt – genehmigt:

„… mit dem ausdrücklichen Vorbehalt, daß jede Vor- und Nachfeier ausgeschlossen bleibt. Sollte dies wider Erwarten doch erfolgen, so wird neben der Bestrafung auch in künftigen Jahren die Erlaubnis versagt werden.“

Man spürt in der Strenge dieser Formulierung die Verärgerung über den Versuch, das Fest mit dem oben beschriebenen Trick auf zwei Tage auszudehnen.

Aber selbst am Tage nach dem Schützenfest hatte der Vorstand sein Ziel, ein zweitägiges Fest zu feiern, nicht aus den Augen verloren. Im Gegenteil – in der Berichterstattung über das eintägige Schützenfest wird dieses Ziel unter Berufung auf die schon erwähnte Tradition von 1807 nochmals herausgestellt. Sicherlich wollte man damit schon den Boden für die Genehmigung des nächsten Festes entsprechend vorbereiten. Interessant ist auch, wie vor dem eigentlichen Festbericht das Grundanliegen des Vereins vorrangig zur Sprache kommt. In dem Artikel der MENDENER ZEITUNG vom 16.7.1895 heißt es:

„Vor zwei Jahren entschlossen sich die Bewohner unseres Ortes, das seitdem Jahre 1807 nicht mehr gefeierte Schützenfest aufs neue aufblühen zulassen. Dem neugegründeten Verein traten auch sofort verschiedene Mendener als Mitglieder bei. Unter der vorzüglichen Leitung des Schützenpräses, Herrn Gutsbesitzer Bering, wird nun alljährlich ein so gemütliches Festgefeiert, das sicher noch eine viel größere Schar Teilnehmer heranziehen würde, wenn es dem Verein gelänge, die Erlaubnis zu erwirken, auch den Sonntag als Festtag benutzen zu dürfen. Wir hoffen von einer diesbez. Eingabe, die selbst bis an die höchste Instanz gerichtet werden soll, den besten Erfolg. Dann wird auch der Bau einer ständigen Schützenhalle, deren Plan schon vollständig entworfen, sofort in Angriff genommen werden. Bei dem gestrigen Königsschießen errang Herr Wilh. Gurris die Königswürde. Vor aufgestelltem Batallion wurde er mit den Insignien seiner hohen Würde, die in einer Kette mit Adler, von einer leistungsfähigen Fabrik in Neheim künstlerisch hergestellt, bestehen, dekoriert. Herr Adolf Bilstein feierte in zündender Rede den um den Verein verdienten Präses, Herrn Bering, und das schmucke Offizierskorps. Das Fest kann mit Recht als wohlgelungen bezeichnet werden.“

Im Jahre 1896 beschloß die Generalversammlung, „da … mit einem Tag die Unkosten sich nicht decken“, einen erneuten Vorstoß für ein zweitägiges Fest zu machen. Dafür wurde eigens eine „Kommission“ gewählt (Oberst Bering, Hauptmann Nadermann und Gemeindevorsteher Goeke), die bezüglich eines zweitägigen Festes sowohl beim Ehrenamtmann in Menden als auch beim Landrat in Iserlohn persönlich vorsprechen sollte. Diese Kommission hatte endlich den gewünschten Erfolg. Allerdings wurden dafür auch höchste staatliche Stellen in Bewegung gesetzt. Nicht vom Ehrenamtmann in Menden, nicht vom Landrat in Iserlohn, sondern vom „Königlichen Regierungspräsidenten“ kam eigens die „Ermächtigung“, dem Verein eine zweitägige Feier zu gestatten.

Damit war der entscheidende Durchbruch erreicht: Am Sonntag, den 19. und Montag, den 20. Juli 1896 fand das erste zweitägige Schützenfest auf dem „Festplatz bei der Witwe Fildhaut“ (heute Fildhaut, Arnsberger Straße 48) statt.Der Samstag war also früher noch kein Schützenfesttag. In den folgenden Jahren war es kein Problem mehr, zweitägig zu feiern!

Auch für das erste zweitägige Fest wurde in der MENDENER ZEITUNG mittels Anzeige geworben, wie die Abbildung 32 zeigt. Im Kassenbuch sind die Ausgaben für das Inserat unter dem Titel „Informationsgebühren“ verbucht. Auch in späteren Jahren wurde diese Art von Werbung häufig genutzt. Es wurde dabei nicht nur in der MENDENER ZEITUNG inseriert, sondern auch im WESTFÄLISCHEN VOLKSFREUND Hamm.

Im redaktionellen Teil der MENDENER ZEITUNG (21.7.1896) heißt es einen Tag nach dem Fest:

„Unser diesjähriges Schützenfest nahm, vom schönsten Wetter begünstigt, den schönsten Verlauf. Der Besuch war ein starker.“

Abbildung 32: Das Inserat in der MENDENER ZEITUNG vom 16.7.1896, mit dem auf das erste zweitägige Schützenfest am 19. und 20. Juli 1896 hingewiesen  wird. Zu beachten ist die kleine Szene oben links, in der das Vogelschießen  dargestellt ist.
Abbildung 32: Das Inserat in der MENDENER ZEITUNG vom 16.7.1896, mit dem auf das erste zweitägige Schützenfest am 19. und 20. Juli 1896 hingewiesen wird. Zu beachten ist die kleine Szene oben links, in der das Vogelschießen dargestellt ist.

 

Auf dem Weg zur ersten eigenen Halle

Das Schützenfest vom 30. und 31.5.1897 wäre aufgrund des normalen Verlaufs gar nicht eigens erwähnt worden, hätte nicht die MENDENER ZEITUNG (1.6.1897) auf so nette Art und Weise auf Bekanntheit und Beliebtheit der Wimberner Feste bei der Mendener Bevölkerung aufmerksam gemacht:

„Unser am Sonntag und Montag stattgehabtes Schützenfest reihte sich seinen Vorgängern früherer Jahre würdig an. Wie früher, so hatte auch diesmal Menden einen beträchtlichen Teil zu den uns Besuchenden gestellt. Das Fest verlief in der animiertesten Weise.“

Wie man schon anhand der zuletzt besprochenen Feste erkennen kann, wurde der Festtermin noch nicht dauerhaft auf ein bestimmtes Wochenende im Jahr geplant, sondern auf der Generalversammlung, die meist im April vorher stattfand, jeweils neu festgelegt. In der Regel fand das Schützenfest dann in der Zeit von Anfang Juni bis Mitte Juli statt. Eine gewisse Tendenz auf ein relativ frühes Schützenfest ist aber deutlich zu erkennen.

Auffällig in den folgenden Jahren ist auch, daß die Musikvergabe häufig wechselte:

  • 1893-1895 – Malkowsky, Arnsberg
  • 1896-1899 – Wetschewald, Menden
  • 1900-1902 – Wickeder Feuerwehrkapelle
  • 1903-1906 – Malkowsky, Arnsberg
  • 1907-1908 – Wickeder Feuerwehrkapelle
  • 1909 – Malkowsky, Arnsberg
  • 1910 – Kapelle Schmelzer, Wickede

Die außerordentliche Generalversammlung im Februar 1898 ist nur dem Thema Hallenbau vorbehalten.

Bislang fand das Fest unter dem Zelt statt, das man in all den Jahren von Voßwinkel geliehen hatte. Schon zu diesem Zeitpunkt des doch noch so jungen Vereins kam also der Wunsch nach einer eigenen „feststehenden Halle“ auf.

Jener Heinrich Beringhoff, der sich 1893 auf dem Brett in der Wimberner Schule verewigt hatte, legte hierzu einen Plan vor und erstellte den Kostenvoranschlag. Er belief sich auf die damals gewaltige Summe von 2.660,92 Mark. Dieser Preis muß in Relation zum jährlichen Überschuß (zumeist der Festgewinn) gesehen werden. In den Jahren vorher lag der Gewinn pro Jahr nur einmal über 100,- Mark, 1895 hatte man sogar ein geringfügiges Minus erwirtschaftet. Da bedurfte es schon eines Stückes Mut, sich auf eine solch teuere Anschaffung einzulassen.

Die Entschlossenheit und die Weitsicht der damaligen Schützenbrüder ist fast direkt zu vergleichen mit dem Handeln der Schützenbrüder im Jahre 1967, als es um den Bau der zweiten Halle an der Wiesenstraße ging. Ohne Widerspruch wurde in der damaligen Generalversammlung von 1898 dem Bauvorhaben zugestimmt. Drei Plätze standen zur Abstimmung:

  1. Das Grundstück an der Vogelrute (heute 150 m westlich von Korte,Feldweg 40)
  2. Beim Vorsteher Goeke (heute Schumacher, Arnsberger Str. 57)
  3. Bei der Witwe Fildhaut auf dem Hof (heute Fildhaut, Arnsberger Str.48)

Fast einstimmig entschied sich die Generalversammlung für den Hof bei der Witwe Fildhaut als Bauplatz.Tatsächlich gebaut aber wurde die Halle bei dem Vorsteher Goeke! Es ist heute nicht mehr zu klären, welche Gesichtspunkte für den anderen Standort der Halle ausschlaggebend waren und wie die abweichende Entscheidung zustande kam. Weder das Protokollbuch noch das Kassenbuch machen diesbezüglich irgendeine Aussage. Tatsache aber ist, daß die Halle unverzüglich gebaut wurde, und zwar – man beachte – zu einem Preis unter dem Kostenvoranschlag. Die Baukosten beliefen sich auf 2.475,96 Mark.

Glücklicherweise fiel der Gewinn im Jahre 1898 ungewöhnlich hoch aus (315,14 Mark), so daß man zusammen mit den Rücklagen aus den vorangegangenen Jahren einen Teil der Baukosten zahlen konnte. Es blieb aber immernoch ein Fehlbetrag von 1.536,42 Mark! Dieser Betrag wurde vom Landwirt und Ortsvorsteher Anton Goeke zu einem Zinssatz von 3,5 % geliehen. Die Zinsen tauchen im jährlichen Kassenbericht bis 1914 ordnungsgemäß auf (1899: 53,76 Mark; 1904: 30,10 Mark; 1909: 16,38 Mark und 1914: 17,50 Mark).
Der Schuldenstand wurde in der Folgezeit um den jährlichen Gewinn durch Rückzahlung abgebaut. Noch im Jahre 1912, also 14 Jahre nach dem Hallenbau, beläuft sich der Schuldschein auf 500,- Mark.

Wie dieser restliche Fehlbetrag dann weiter behandelt wurde, geht aus den Unterlagen nicht hervor. Nach 1914 tauchen die Schulden weder als Rückzahlung noch als Schenkung, noch sonst irgendwie auf. Im Gegenteil,nach 1912 weist der Kassenbestand Überschüsse aus, die festverzinslich bei der Sparkasse Voßwinkel und später auch bei der Kreditbank Menden angelegtwurden.

Daß der Verein so lange mit diesen Schuldscheinen belastet war, lag natürlich auch daran, daß die Festgewinne in einigen Jahren recht dürftig waren (1899: 38,37 Mark; 1900: 40,15 Mark). Die Gründe dafür sind vor allem darin zu suchen, daß die Schützenbrüder von Anfang an auf ihren Generalversammlungen beschlossen, nahezu alle Arbeiten für das Schützenfest und die Halle gegen Entgelt zu vergeben und sich auf das Feiern zu konzentrieren.

Dabei handelt es sich vor allem um Arbeiten, die von den Mitgliedern eigentlich selbst geleistet werden konnten – und später auch wurden! Vergeben wurde z.B. das „Einfrieden des Festplatzes“. Darunter verstand man, die Grenzen des Festplatzes einzuzäunen und mit Birkenbüschen abzustecken, damit der Zutritt nur an dem Eingang mit Kartenhäuschen erfolgen sollte. Für dieses Einfrieden wurden zwischen 10,- und 20,- Mark gezahlt.

Auch das „Aufschlagen der Tische und Bänke“ wurde gegen Bezahlung vergeben (ca. 18,- Mark). Unter dem ‚Aufschlagen‘ ist zu verstehen, daß die Beine für Tische und Bänke wie Zaunpfähle fest in den Untergrund geschlagen wurden und darauf die Bretter als Tischplatte bzw. als Sitzbank ‚aufgeschlagen‘ wurden. Zudem wurden Fußbodenbretter verlegt. All diese Arbeiten hatten nur für die Festtage Wert und Bestand. Danach wurde wieder abgebaut und im nächsten Jahr neu aufgeschlagen.

In der schützenfestfreien Zeit wurde die nach vorne offene Halle für die Lagerung von Stroh und das Unterstellen landwirtschaftlicher Geräte genutzt. Natürlich hatte Landwirt Anton Goeke die größte Nutznießung der Halle, stand sie ja schließlich auch auf seinem Grund. Doch auch andere Wimberner Familien wie Beringhoff und Schüpstuhl lagerten ihr Stroh in der Halle ein. Eine Nutznießung hat seinerzeit auch so mancher wandernde Handwerksbursche gehabt, der im trockenen Stroh ein kostenloses Schlafplätzchen fand.
Doch trotz der relativ hohen Schulden investierte der Verein auch in der Zeit seit 1898 in die eigene Halle:

  • 1906 wurde beschlossen, „an der Festhalle einen Raum als Speisesaal anzubauen“
  • 1909 wurde ein Schornstein an den Küchenraum der Halle gebaut
  • 1910 Neuasphaltierung des Daches, mit dessen Undichtigkeit man häufig zukämpfen hatte.

 

Von der Jahrhundertwende bis zum ersten Weltkrieg

Die Generalversammlungen der Jahre 1901 und 1902 zeichnen sich durch besonders hohe Teilnehmerzahlen aus: 1901: 109 Mitglieder und 1902: 114 anwesende Mitglieder. In diesem Jahr 1902 stand Wilhelm Bering zu Beringhoff nach neun Jahren verdienstvoller Tätigkeit als Oberst nicht mehr für Vorstandsaufgaben zur Verfügung. Im Protokollbuch heißt es dazu: 

„Da durch besondere Verhältnisse der Herr Oberst Bering nicht anwesend war, …“.

Neu gewählt wurde der bisherige Rendant Anton Goeke. Neuer Rendant wurde der Lehrer Theodor Voß, der zu der Zeit an der Wimberner Schule unterrichtete.

Das erste Foto, das Vereinsmitglieder in Funktion zeigt, stammt aus dem Jahre 1903 (siehe Abb. 33). Es gibt Aufschluß über die Gestaltung der Vorstandskleidung, über die das Protokollbuch nichts aussagt.

Die Herren des Vorstandes trugen ihren dunklen Anzug wie bei Feierlichkeiten eben üblich. Die Schnitte der einzelnen Anzüge sind recht unterschiedlich, so daß man nicht unbedingt von einer Uniform sprechen kann. Zum Anzug gehörte ein weißes Hemd, bei einigen mit Stehkragen, und eine weiße oder dunkle Fliege.

Auf der Anzugsjacke waren Schulterstücke (Epauletten) aufgenäht, die anscheinend bei allen Vorstandsmitgliedern gleich waren, nur die Zahl der Sterne darauf deutete auf unterschiedliche Funktion hin. Im Kontrast dazutrug der Oberst Epauletten mit Bouillonfransen. Um die Anzugsjacke wurde ein breiter Gürtel (Koppel) geschnallt, von dem seitlich die Quaste bis auf Kniehöhe herunterhing. Der Gürtel bot auch die Befestigungsmöglichkeit für den Degen, der in einer Scheide sicher mitgeführt wurde. Bis auf die Fahnenoffiziere trugen alle Vorstandsmitglieder Gürtel und Degen. Die Fahnenoffiziere hatten stattdessen eine Schärpe, auch mit Quaste.

Weitere Ehrenzeichen sind an den Anzugsjacken nicht zu erkennen.

Abbildung 33: Das älteste Bild des Vereins zeigt Vorstand und König im Jahre 1903/04.  Der König regierte zu der Zeit noch ohne Königin. Die Aufnahme wurde bei Bauer Goeke  in Wimbern gemacht: Vor der Deelentür die Fahne von 1893; (hintere Reihe, von links):  Wilhelm Sturzenhecker (Oesbern), Heinrich Schulte (Werringsen), Franz Knieper  (Wimbern), Josef Schüpstuhl (Wimbern), Franz Brune (Brockhausen); (vordere Reihe):  Josef Coerdt gen. Nadermann (Wimbern), Anton Goeke (Wimbern) - Oberst und  Gemeindevorsteher -, Heinrich Beringhoff - König -, Josef Goeke (Wimbern), Max  Stratmann (Bellingsen).
Abbildung 33: Das älteste Bild des Vereins zeigt Vorstand und König im Jahre 1903/04. Der König regierte zu der Zeit noch ohne Königin. Die Aufnahme wurde bei Bauer Goeke in Wimbern gemacht: Vor der Deelentür die Fahne von 1893; (hintere Reihe, von links): Wilhelm Sturzenhecker (Oesbern), Heinrich Schulte (Werringsen), Franz Knieper (Wimbern), Josef Schüpstuhl (Wimbern), Franz Brune (Brockhausen); (vordere Reihe): Josef Coerdt gen. Nadermann (Wimbern), Anton Goeke (Wimbern) – Oberst und Gemeindevorsteher -, Heinrich Beringhoff – König -, Josef Goeke (Wimbern), Max Stratmann (Bellingsen).

Als Kopfbedeckung diente eine einheitliche Schirmmütze, die – so scheint es – mit einem zweifarbigen Band (grün / weiß) zusätzlich geschmückt war.

Den König zeichnete – zumindest zu Beginn der Vereinsgeschichte – eine besondere Kopfbedeckung aus. Auf der Abbildung 33 trug der König einen hellen Hut (Strohhut ?), der mit Blumen geschmückt war. Auf der Abbildung 34 (1920) hat der König einen Zylinder als Kopfbedeckung.

Die „Uniform“ der Vorstandsmitglieder blieb in den folgenden Jahren im wesentlichen gleich, wie die Bilder bis 1938 belegen. Nur bezüglich der Kopfbedeckung traten im Verlauf der nächsten Jahre Veränderungen auf.

Im Jahre 1905 legte „… Oberst Anton Göeke sein Amt nieder und stellte der Versammlung anheim einen neuen Vorstand zu wählen“. Als Oberst wurde Herr Heinrich Gurris, Wimbern gewählt. Anton Goeke blieb dem Verein weiterhin eng verbunden. Denn zum einen stand die Schützenhalle auf seinem Grund, und zum anderen gewährte er noch 1912 dem Verein einen weiteren Kredit zur erneuten Dachsanierung, welche naturgemäß auch für ihn von Nutzen war.

Oberst Heinrich Gurris hielt die Generalversammlung der folgenden Jahre auf seinem Hof (später Korte, heute Klaus, Feldweg) ab. Seine Amtszeit ist nicht geprägt von spektakulären Entscheidungen und Veränderungen innerhalb des Vereins. Der Verein hatte sich nach stürmischen und beschwerlichen Anfangsjahren konsolidiert, eine feststehende Halle war vorhanden, die Schützenfeste liefen gut organisiert und mit Gewinn ab, die Schützenbrüder beteiligten sich am Vereinsleben, und in jedem Jahr war eine Neuaufnahme von ca. 10 weiteren Vereinsmitgliedern zu verzeichnen.

1911 trat Heinrich Gurris nach sechsjähriger Amtszeit zurück. Ihm folgte Eberhard Sauer als Oberst. Zu diesem Zeitpunkt war ihm sicherlich noch nicht klar, daß er bis 1923 Oberst des Vereins bleiben sollte. Eberhard Sauer stammte aus Barge. Er war Pächter und Verwalter des Beringhof.

1912 erfolgte eine besonders einschneidende Veränderung für die Trinkgewohnheiten der Schützenbrüder. Hatte man sich bisher das Fesrbier aus 1/4-Liter Gläsern zugeführt, mußte man sich nun auf die neu angeschafften 1/5-Liter Gläser umstellen.

Im politischen Bereich hatten sich bis 1912 wichtige Änderungen ergeben. Aufgrund verschiedener europäischer Krisen hatte ein enormes Wettrüsten eingesetzt, und Deutschland sah sich infolge seiner Bündnispolitik eng an die Seite Österreich/Ungarn gebunden. Ihnen gegenüber stand das Bündnis aus Frankreich, England und Rußland. Als Deutschland wegen der Bündnistreue zu Österreich (Österreich hatte Serbien aufgrund des Attentats von sarajewo den Krieg erklärt), Anfang August 1914 sowohl Rußland und Frankreich den Krieg erklärte, stand Deutschland im Zweifrontenkrieg, der eigentlich nicht zu gewinnen war.

Am 13. April 1914 fand die letzte Generalversammlung vor dem ersten Weltkrieg statt. Das letzte Schützenfest vor dem Krieg wurde am 5. und 6. Juni gefeiert. Die Abrechnung für das Jahr 1914 brachte einen Überschuß von 35,20 Mark. Unter dem Eindruck der bitteren Not des ersten Weltkriegs sind diese 35,- Mark zum Ankauf von Strickgarn

„für unsere Krieger, sowie für zwei Hl. Messen für die verstorbenen Mitglieder Franz Goeke und Heinrich Schüpstuhl verwendet worden. Außerdem sind noch zum Ankauf von Wolle für die Krieger unserer Gemeinde 100,- Mark von der Sparkasse Voßwinkel entnommen worden.“

Von 1914-1920 ruhte das Vereinsleben, Schützenfeste fanden nicht statt. Der erste Weltkrieg hinterließ auch in unserer Gemeinde tiefe Spuren. Die Namen der Gefallenen des ersten Weltkriegs sind an den Wänden der Friedhofskapelle in Barge zur Erinnerung und Mahnung festgehalten. Die gefallenen Schützenbruder sind:

  • Josef Plümper
  • Anton Risse
  • Kaspar Risse
  • Wilhelm Sturzenhecker
  • Josef Großkettler
  • Fritz Coerdt
  • Heinrich Neuhaus
  • Wilhelm Dolle
  • Heinrich Hempelmann
  • Wilhelm Gurris
  • Franz Höppe

 

Die Jahre nach dem ersten Weltkrieg

Die Schützenhalle mußte nach den Wirren des Krieges repariert werden. 1919 – noch vor der ersten Generalversammlung nach dem Krieg – wurden die Reparaturen zum Preis von 639,- Mark durchgeführt. An diesem hohen Betrag erkennt man die weiteren Auswirkungen des Weltkrieges: den Verfall der deutschen Währung. Im Krieg hatte ein Verfall der deutschen Währung begonnen, weil die Kriegskosten nicht durch erhöhte Steuern aufgebracht worden waren und die Knappheit der Waren die Preise steigen ließ. So hatte zu Beginn des Jahres 1919 die Mark nur noch die Hälfte ihres Vorkriegswertes. Das Kriegsende brachte erneut einen riesigen Geldbedarf: die entlassenen Soldaten mußten versorgt, die Kriegsbeschädigten, Erwerbslosen und Flüchtlinge unterstützt und die riesigen Reparationsleistungen an die Siegermächte bezahlt werden. Der Staat ließ Papiergeld massenweise drucken, da aber kein entsprechendes Warenangebot dem gegenüberstand, wurde das Geld immer weiter entwertet. Der Preisverfall sei an einem konkreten Beispiel einmal deutlich gemacht:

Roggenbrot

Diese unvorstellbar hohen Summen spiegeln sich auch in den Jahresabrechnungen – vor allem in der von 1923 – wieder. Das Kassenbuch weist z.B. aus, daß die Musik 460.000,00 Mark kostete. Mit dem Festüberschuß von 3.218.000,00 Mark war der Verein kurze Zeit zwar Millionär, aber, da der Wert des Geldes ohnehin „den Bach runterging“ (nahezu täglich abnahm), wurde es nicht bei der Sparkasse angelegt, sondern sinnigerweise sofort für die Anschaffung von zwei neuen Latrinen verwendet.

Auf der ersten Generalversammlung nach dem Krieg, am 17.4. 1920, nahm Oberst Sauer die erneute Wahl für ein Jahr an. Tatsächlich dauerte seine Amtszeit dann noch bis zu seinem Tod am 25.7.1922.

Beim ersten Schützenfest nach dem Krieg spielte erstmals die Oesberner Musik auf. Mündlichen Überlieferungen zur Folge soll die Oesberner Musik bereits 1914 ein Ständchen auf dem Wimberner Schützenfest gegeben haben.

Zwar weist das Protokollbuch für die Jahre 1921 und 1922 keine Eintragungen auf, aber aus dem Kassenbuch und den Fotos von 1921/22 (s. Abb. 34, 35) geht eindeutig hervor, daß auch in diesen Jahren Schützenfest gefeiert wurde.

Am 24.6.1923 fand die Generalversammlung in der gerade eröffneten Gastwirtschaft Franz Fildhaut statt. „Die erschienen Mitglieder waren fast vollzählig dafür, wegen der schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse auf eine Festfeier zu verzichten.“ Damit war vor allem die oben angesprochene galoppierende Inflation und die französische Besetzung des Ruhrgebietes gemeint. Allerdings wurden dem Antrag „einiger Mitglieder“ zugestimmt, zur Deckung der hohen Hallenreparaturkosten einen sogenannten Schützenball zu veranstalten. Dieser Schützenball fand auch am 8. Juli 1923 mit der Wickeder Musik statt. Laut Kassenbuch wurden 374 Herrenkarten a 6.000,- Mark und 144 Damenkarten a 4.000,- Mark verkauft. Mit dieser hohen Teilnehmerzahl brachte der Ball insgesamt den oben schon angesprochenen Millionengewinn von 3.218.000,00 Mark.

Abbildung 34: Vorstand mit Königspaar 1920/21. Im Gegensatz zu allen anderen Fotos trägt der Vorstand Hüte. Ersmalig gehört eine Königin zum Bild. Von links, hintere  Reihe: Franz Coerdt, N.N., Heinrich Schüpstuhl, F. Gröblinghoff, Heinrich gurris, Josef  Goeke. Vordere Reihe: N. Bettermann gen. "Witte", Adolf Bilstein, W. Korte - Königin -,  Willi Germakowsky - König -, Eberhard Sauer - Oberst -, Eberhard Fildhaut gen.  "Onkel E".
Abbildung 34: Vorstand mit Königspaar 1920/21. Im Gegensatz zu allen anderen Fotos trägt der Vorstand Hüte. Ersmalig gehört eine Königin zum Bild. Von links, hintere Reihe: Franz Coerdt, N.N., Heinrich Schüpstuhl, F. Gröblinghoff, Heinrich Gurris, Josef Goeke. Vordere Reihe: N. Bettermann gen. „Witte“, Adolf Bilstein, W. Korte – Königin -, Willi Germakowsky – König -, Eberhard Sauer – Oberst -, Eberhard Fildhaut gen. „Onkel E“.
Abbildung 35: Königspaar im Kreis der Familie 1921/22 (von links): Maria Schlünder,  Paul Schlünder ?, N.N., Elisabeth Brinkmann - Königin -, Josef Schlünder - König -,  Maria Schlünder, N.N..
Abbildung 35: Königspaar im Kreis der Familie 1921/22 (von links): Maria Schlünder, Paul Schlünder ?, N.N., Elisabeth Brinkmann – Königin -, Josef Schlünder – König -, Maria Schlünder, N.N..

Neuer Oberst wurde auf der Generalversammlung 1923 Paul Schlünder.

Am 15.11.1923 fand die Währungsreform statt, neue Banknoten wurden ausgegeben, l Billion „Papiermark“ wurden als l Goldmark gerechnet, der weitere Druck von wertlosem Papiergeld eingestellt. Aufgrund richtiger wirtschaftspolitischer Entscheidungen durch das Kabinett Stresemann behielt die neue Währung ihren Wert. Die Voraussetzungen für ein geordnetes Wirtschaftsleben waren geschaffen.

Von diesem geordneten Wirtschaftsleben profitierte natürlich auch der Schützenverein. In den Abrechnungen ab 1924 treten wieder „normale“ Zahlen auf, und das Vereinsschiff Schützenverein kam wieder in ruhigeres Fahrwasser. In den folgenden Jahren wurden die Schützenfeste regelmäßig und ausgiebig am Sonntag und Montag gefeiert. Ein bescheidener Überschuß blieb bei jedem Fest!

Der Festverlauf sah in den zwanziger Jahren in etwa so aus: Zwar fand das eigentliche Schützenfest am Sonntag und Montag statt, doch die ortsansässigen Schützenbrüder trafen sich bereits am Samstagabend an der Halle und marschierten von dort zur Vogelstange, wobei sie statt der Fahne den hölzernen Vogel auf einem Stock mitführten. Der Vogel wurde dann auf die Stange gesetzt, ein Vorgang, der natürlich mit einigen Klaren begossen werden mußte. Irgendwann in diesen Jahren wurde auch die Musik mit zur Stange genommen, so daß sich ein richtiger Festzug zur Vogelstange bildete. Von der Vogelstange ging es mit Musik zurück zur Halle, wo die Schützenbrüder ohne jeden weiblichen Beistand (oder sollte es heißen Beaufsichtigung?) einen zünftigen Kommers feierten, der Punkt Mitternacht abgebrochen wurde, damit die Schützenbrüder auch noch die nächsten Tage überstehen konnten. Der Sonntag stand dann ganz im Zeichen des amtierenden Königspaares, das genau wie heute im Festzug durch den Ort geführt wurde.

Am Montag trat der pflichtbewußte Schützenbruder früh zum Kirchgang an. Dabei führte jeder sein eigenes Gewehr oder sonst einen Schießprügel samt Munition von zu Hause aus mit. In der Kirche wurden die Waffen einfach hinten abgelegt und Schützenhochamt gehalten. Nach der Messe zog man mit den geschulterten Waffen im Schützenzug zur Vogelstange, wo dann mit den recht unterschiedlichen Gewehren gehörig auf den Vogel gefeuert wurde, bis der König feststand. Der König wählte sodann seine Königin aus. Gemeinsam bestimmten diese beiden aus ihrem Verwandten- oder Bekanntenkreis vier in der Regel unverheiratete Hofdamen. Diesen Hofdamen wurden aus dem Vorstand Offiziere zur Seite gestellt, die die Damen beim Festzug, am Königstisch und beim Tanz zu begleiten hatten. Gerade bei dieser spannenden Zuordnung von Hofdame und Offizier soll es zu manch merkwürdigem Gesichtsausdruck auf beiden Seiten gekommen sein.

Auf der Generalversammlung von 1924 beschloß man, daß der Vorstand Hüte und die übrigen Mitglieder Bänder als Abzeichen tragen sollten. Einige Bilder aus der damals anschließenden Zeit zeigen diese besondere Kopfbedekkung (Abb. 34).

Das Protokoll der Generalversammlung von 1925 schließt mit dem Hinweis auf das legendäre Eierbier:

„Dann wurde beschlossen, an dem Montag Morgen wieder das alte beliebte Eierbier zu machen, wie es früher Brauch war.“

Nachdem der bestehende Vorstand 1926 wiedergewählt worden war, Paul Schlünder also für weitere drei Jahre zum Oberst bestellt war, beschloß man in dieser Generalversammlung, elektrisches Licht in die Halle zu legen. Bis dahin hatte man abends bei Petroleumlicht und Kerzenschein gefeiert. Viele Wimberner brachten abends ihre Laterne von zu Hause mit.

Der elektrische Strom war 1920 nach Wimbern gekommen (siehe dieses Gedicht).

Abbildung 36: Der Vorstand in den Jahren 1923 bis 1926 (hintere Reihe, von links):  Wilhelm Goeke gen. "Stinnes". Josef Schüpstuhl gen. "der Gräoute", Wilhelm Luig,  Franz Risse, Franz Coerdt; (vordere Reihe): Christoph Schüpstuhl, Wilhelm Schulte,  Paul Schlünder - Oberst -, Josef Schüpstuhl, Fritz Knieper.
Abbildung 36: Der Vorstand in den Jahren 1923 bis 1926 (hintere Reihe, von links): Wilhelm Goeke gen. „Stinnes“. Josef Schüpstuhl gen. „der Gräoute“, Wilhelm Luig, Franz Risse, Franz Coerdt; (vordere Reihe): Christoph Schüpstuhl, Wilhelm Schulte, Paul Schlünder – Oberst -, Josef Schüpstuhl, Fritz Knieper.

Auf der Generalversammlung von 1928 beschäftigte man sich auch mit dem Status der unverheirateten Mitglieder – heute würde man sagen ‚Singles‘:

„Die unverheirateten Mitglieder haben eine Dame frei, sollten dieselbe aber bei Zahlung ihrer Beiträge vorstellen.“

Eine interessante Regelung, die sicherlich auch heute noch dem harten Kassendienst im Kartenhäuschen zusätzliche Attraktivität verschaffen würde. Aber leider wurde schon zwei Jahre später dieser Beschluß wieder aufgehoben: „Für unverheiratete Mitglieder werden die Damenkarten mit vollem Betrag erhoben.“

Der heute noch sinnvolle Brauch, bei der Beerdigung verstorbener Vereinsmitglieder die Fahne mitzutragen, geht auf einen Beschluß der Generalverversammlung von 1929 zurück. Auch die Regelung, bei diesem Anlaß einen Trauerflor an die Fahne zu heften, wurde in dieser Versammlung beschlossen.

Allgemein gelten die Zeiten von 1924 – 1929 als Zeiten der Entspannung, die Wirtschaft blühte auf. Eine wirkliche Etablierung der Republik gelang in dieser Zeitspanne allerdings nicht. Schon mit der Wahl Hindenburgs im Jahre 1925 zum Reichspräsidenten war die Grundlage für die spätere Entwicklung geschaffen. Die rechten Kräfte gewannen in der Politik immer mehr an Einfluß.

Abbildung 37: Das Königspaar im Jahre 1927 (von links):  Josef Schüpstuhl. Paul Schlünder - Oberst -, Maria Gurris  (Königin), Franz Risse, Caspar Schumacher (König).
Abbildung 37: Das Königspaar im Jahre 1927 (von links): Josef Schüpstuhl. Paul Schlünder – Oberst -, Maria Gurris (Königin), Franz Risse, Caspar Schumacher (König).

Im Jahre 1929 begann die Amtszeit von Oberst Josef Goeke (Amsberger Straße 56), neuer Rendant wurde Heinrich Schüpstuhl.

 

Die Zeit des Nationalsozialismus und der zweite Weltkrieg

Die Weltwirtschaftskrise von Oktober 1929 ging zwar von den USA aus, brachte aber auch in Deutschland schlimmste Veränderungen. Da die amerikanischen Kredite vom deutschen Markt abgezogen wurden, sank die Industrieproduktion rapide, und die Zahl der Arbeitslosen stieg auf sechs Millionen im Jahre 1931. In Deutschland herrschte furchtbare Armut. 1930 zogen die Nationalsozialisten als zweitstärkste Partei in den Reichstag ein. Am 30.1.1933 wurde Adolf Hitler Reichskanzler.

Diesen politischen Verhältnissen im Deutschen Reich mußte auch der Wimberner Verein Rechnung tragen: Auf einer außerordentlichen Generalversammlung am 18.3.1934 „… nahm Ortsgruppenleiter Pferdekämper das Wort. Er legte der Versammlung das Führerprinzip klar, worauf dann zur Gleichschaltung geschritten wurde“. Mit diesen nüchtern klingenden Worten des Chronisten wurde die Anpassung an die gesellschaftlichen Verhältnisse dargestellt. Es steht der Nachwelt nicht an, aus sicherer Distanz die nationalsozialistische Ausrichtung des Vereinslebens irgendeiner Person oder dem Verein vorzuwerfen. Zu stark war der gesellschaftliche und öffentliche Zwang. Zudem war 1934 bei der Einführung der nationalsozialistischen Prinzipien das Ausmaß der späteren Katastrophe auch nicht im entferntesten zu erahnen. Aber diese Einsicht, keine Vorwürfe zu erheben, ist keine Aufforderung zum Vergessen!

In diesem Zusammenhang möge es erlaubt sein, aus der Rede unseres jetzigen Bundespräsidenten, Richard von Weizsäcker, vom 8. Mai 1985, zu zitieren:

„Die meisten Deutschen hatten geglaubt, für die gute Sache des eigenen Landes zu kämpfen und zu leiden und nun sollte sich herausstellen: Das alles war nicht nur vergeblich und sinnlos, sondern es hatte den unmenschlichen Zielen einer verbrecherischen Führung gedient. … Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt wird blind für die Gegenwart. Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahren.“

Daß alle Generalversammlungen der Nazi-Zeit mit dem „deutschen Gruß“ eröffnet wurden, wie das Protokoll ausdrücklich vermerkt, ist eigentlich eher nebensächlich. Entscheidender war, daß sich die Struktur des Vereins grundlegend ändern mußte. An der Spitze des Vereins stand nun der sogenannte „Vereinsführer“. Waren bisher alle Vorstandmitglieder von der Generalversammlung demokratisch gewählt worden, wurde jetzt nur noch der Vereinsführer gewählt. Alle anderen Vorstandsmitglieder wurden vom Vereinsführer ernannt. Erstmalig wird die Position eines Stellvertreters (hier: des Vereinsführers) eingerichtet.

Zudem wurden ein Schießwart eingeführt und Beiräte ernannt.

Als Vereinsführer wurde 1934 Franz Schriek gewählt, der diesen Posten allerdings nur drei Jahre innehatte, ihm folgte 1937 Kaspar Schumacher.

Abbildung 38: Königspaar, zwei Hofdamen und Vorstand 1930/31, im Hintergrund  Goeken Mühle (heute Schumacher). Auf dem Foto (von links, stehend): Josef  Spiekermann, Josef Schüpstuhl, Theodor Schulte, Franz Coerdt; (sitzend): Franziska Fischer, Fritz Drees, Josef Goeke - Oberst -, Änne Fischer - Königin -, Kaspar Plümper -  König -, Agnes Fischer, Fritz Knieper.
Abbildung 38: Königspaar, zwei Hofdamen und Vorstand 1930/31, im Hintergrund Goeken Mühle (heute Schumacher). Auf dem Foto (von links, stehend): Josef Spiekermann, Josef Schüpstuhl, Theodor Schulte, Franz Coerdt; (sitzend): Franziska Fischer, Fritz Drees, Josef Goeke – Oberst -, Änne Fischer – Königin -, Kaspar Plümper – König -, Agnes Fischer, Fritz Knieper.
Abbildung 39: Schützenfest 1931/32 (von links, obere Reihe): Wilhelm Luig, Josef  Spiekermann; (mittlere Reihe): Wilhelm Schulte, Caspar Bilge, Josef Helmig, Heinrich  Schüpstuhl, Fritz Drees, Fritz Knieper; (vordere Reihe): Josef Goeke - Oberst -,  Franziska Langes, Maria Goeke - Königin -, Otto Schulte - König -, Elisabeth Fildhaut,  Franz Coerdt.
Abbildung 39: Schützenfest 1931/32 (von links, obere Reihe): Wilhelm Luig, Josef Spiekermann; (mittlere Reihe): Wilhelm Schulte, Caspar Bilge, Josef Helmig, Heinrich Schüpstuhl, Fritz Drees, Fritz Knieper; (vordere Reihe): Josef Goeke – Oberst -, Franziska Langes, Maria Goeke – Königin -, Otto Schulte – König -, Elisabeth Fildhaut, Franz Coerdt.
Abbildung 40: Königspaar, vier Hofdamen und Vorstand im Jahre 1934/35 (von links,  hintere Reihe): Heinrich Fildhaut, Heinrich Spiekermann, Caspar Bilge, Josef  Spiekermann; (mittlere Reihe): Wilhelm Goeke, Heinrich Schüpstuhl, Franz Schriek -  Vereinsführer -, Maria Goeke, Josef Gurris, Franz Coerdt; (vordere Reihe): Theresia  Rosenbaum, Caspar Schumacher, Mia Fildhaut - Königin -, Heinrich Rosenbaum - König -, Agnes Langes, Josef Fildhaut.
Abbildung 40: Königspaar, vier Hofdamen und Vorstand im Jahre 1934/35 (von links, hintere Reihe): Heinrich Fildhaut, Heinrich Spiekermann, Caspar Bilge, Josef Spiekermann; (mittlere Reihe): Wilhelm Goeke, Heinrich Schüpstuhl, Franz Schriek – Vereinsführer -, Maria Goeke, Josef Gurris, Franz Coerdt; (vordere Reihe): Theresia Rosenbaum, Caspar Schumacher, Mia Fildhaut – Königin -, Heinrich Rosenbaum – König -, Agnes Langes, Josef Fildhaut.
Abbildung 41: Schützenfestsonntag 1936 (von links, stehend): Frantz Coerdt, Heinrich  Schüpstuhl, Heinz Spiekermann, Otto Schulte, Josef Spiekermann, Franz Schriek -  Vereinsführer -, Caspar Schumacher; (sitzend): Luise Korte, Wilhelm Goeke, Elisabeth  Schüpstuhl, Josef Fildhaut, Rosalie Danne-Rasche - Königin -, Alfons Gaugel - König -,  Hilde Fildhaut, Josef Gurris, Agnes Langes.
Abbildung 41: Schützenfestsonntag 1936 (von links, stehend): Frantz Coerdt, Heinrich Schüpstuhl, Heinz Spiekermann, Otto Schulte, Josef Spiekermann, Franz Schriek – Vereinsführer -, Caspar Schumacher; (sitzend): Luise Korte, Wilhelm Goeke, Elisabeth Schüpstuhl, Josef Fildhaut, Rosalie Danne-Rasche – Königin -, Alfons Gaugel – König -, Hilde Fildhaut, Josef Gurris, Agnes Langes.
Abbildung 42: Gruppenbild mit König 1937 (von links): Maria Hans (verdeckt), Franziska Langes, Maria Korte, hier zum zweiten Mal Könign, Christoph Schüpstuhl - König -,  Elisabeth Schüpstuhl, Franziska Bilge.
Abbildung 42: Gruppenbild mit König 1937 (von links): Maria Hans (verdeckt), Franziska Langes, Maria Korte, hier zum zweiten Mal Könign, Christoph Schüpstuhl – König -, Elisabeth Schüpstuhl, Franziska Bilge.

Auf der regulären Generalversammlung des gleichen Jahres (2.4.1934) kam dann ein weiterer paramilitärischer Effekt zum Tragen: Die Schützenbrüder unter 45 Jahren wurden zum Schießsport zwangsverpflichtet.

„Der Vereinsführer legte sodann den Schützenbrüder Ziel und Zweck des deutschen Schießsportverbandes dar und betonte, daß jeder Schützenbruder unter 45 Jahren sich am Schießsport zu beteiligen und einen Betrag von RM 0,10 pro Monat zu entrichten habe. Dann wurden die in Frage kommenden Schützenbrüder verlesen.“

Ein Jahr später trat der Verein aus dem deutschen Schützensportbund aus. Das war die sportliche Konkurrenzvereinigung zum oben genannten nationalsozialistisch-militärisch ausgerichteten Schießsportverband, dem man sich ein Jahr vorher angeschlossen hatte.

Natürlich bedurfte es bei einer derartigen militärischen Schießausrichtung auch eines Schießstandes. Aber für die Schaffung einer solchen Anlage schien bei den Schützenbrüdern keine rechte Begeisterung aufzukommen. Denn auf der Generalversammlung 1936 wird dieser Tagesordnungspunkt als letzter behandelt. Konkrete Beschlüsse hinsichtlich des Ortes, der Konstruktion oder des Arbeitseinsatzes wurden aber nicht gefaßt. Eher hinhaltend wurde beschlossen, den Schießstand „… sobald wie möglich in Angriff zu nehmen.“ Tatsächlich wurde dieser Schießstand nie fertiggestellt, es blieb bei den Ausschachtungsarbeiten in „Nadermanns Tännekes“. Das ausgeworfene Loch ist heute noch teilweise zu sehen, wenn man den Fußweg von Beringhoff/Arndt nach Klein-Hamburg geht. Wie überall im Reich eroberte die „Gleichschaltung“ immer weitere Bereiche nicht nur des öffentlichen Lebens, sondern auch des Vereinslebens in Wimbern: Am 13. Juni 1937 fand eine Woche nach dem Fest unter dem Schützenzelt eine außerordentliche Generalversammlung statt. Einziger Punkt der Tagesordnung: Genehmigung der neuen Satzungen. Die Wimberner Schützenbrüder hielten sich aber in ihrer Teilnahme an dieser Versammlung deutlich zurück: nur 35 Schützenbrüder waren erschienen, die die vom Vereinsführer vorgelesene Satzung natürlich einstimmig annahmen.

Damit war die alte Satzung von 1893 (siehe Abbildung 27) außer Kraft gesetzt. Leider verfügen wir heute nicht mehr über den Wortlaut der Satzung von 1937. Vermutlich genügte aber auch diese nicht den Vorstellungen und Interessen der Herrschenden. Bereits im Jahre 1941, also im Kriegsjahr, wurde dem Verein eine neue „Einheitssatzung“ verpaßt.

Andere Bereiche der Einflußnahme und Gleichschaltung des Vereins waren in der letzten Generalversammlung vor dem zweiten Weltkrieg (10.4.1939) die Fahnenanschaffung und die Uniformfrage. Die Anschaffung einer Fahne des DRL (Deutscher Reichsbund für Leibesübungungen) wurde von der Versammlung beschlossen. Diese Fahne ist auf einigen Fotos aus dem Jahre 1939 auch zu sehen (siehe Abb. 44). Hinsichtlich der Uniformen heißt es im Protokollbuch nur: „Dann wurde die Versammlung über die Uniformfrage aufgeklärt.“ Es ist anzunehmen, daß auf die Notwendigkeit einer Uniform hingewiesen wurde, waren die Vorstandsmitglieder doch bisher nur im dunklen Anzug mit aufgenähten roten Epauletten (Schulterstücken) und breitem Gürtel bzw. Schärpe relativ zivil aufgetreten. Wie aus dem Fotomaterial hervorgeht, wurde es aber nichts mit einer einheitlichen Uniform – wahrscheinlich auch deshalb nicht, weil noch in diesem Jahre, am 1.9.1939, Hitler in Polen einmarschierte, dadurch der zweite Weltkrieg begann, und die Menschen andere Sorgen hatten.

Alle Schützenfeste der damaligen Zeit waren hinsichtlich der Teilnahme und Geselligkeit sehr erfolgreich. Auch der Kirchgang am Montag Morgen mit Schützenmesse fand wie in den Jahren zuvor statt, hier hatten die damaligen Machthaber keine Änderung herbeiführen können. Jedes Fest wurde auf die althergebrachte Weise organisiert und gefeiert und warf entsprechenden Gewinn ab.

Abbildung 43: Schützenfestsonntag 1938. Der Vorstand in der üblichen Uniform, im Gegensatz  zum folgenden Jahr (von links, obere Reihe): H. Schüpstuhl, J. Schüpstuhl gen. "Piff, W. Brunert;  (mittlere Reihe): P. Beringhoff, J. Fildhaut, C. Schumacher - Vereinsführer -, 0. Schulte, W.  Schulte, J. Schüpstuhl, F. Schriek - Bürgermeister -; (vordere Reihe): F. Bilge, W. Goeke, M. Vehre  - Königin -, H. Beringhoff - König -, gen. "Inne", M. Beringhoff, C. Bilge.
Abbildung 43: Schützenfestsonntag 1938. Der Vorstand in der üblichen Uniform, im Gegensatz zum folgenden Jahr (von links, obere Reihe): H. Schüpstuhl, J. Schüpstuhl gen. „Piff, W. Brunert; (mittlere Reihe): P. Beringhoff, J. Fildhaut, C. Schumacher – Vereinsführer -, 0. Schulte, W. Schulte, J. Schüpstuhl, F. Schriek – Bürgermeister -; (vordere Reihe): F. Bilge, W. Goeke, M. Vehre – Königin -, H. Beringhoff – König -, gen. „Inne“, M. Beringhoff, C. Bilge.
Abbildung 44: Der letzte Schützenfestsonntag vor dem Krieg 1939. Auffallend ist, daß alle  Vorstandsmitglieder bis auf die Schirmmützen keinerlei andere Schützensymbole wie  Epauletten oder Schärpen tragen. Auf dem Bild ist auch die von den Nationalsozialisten  eingeführte Fahne DRL links zu sehen (von links, stehend): H. Schüpstuhl, W. Goeke, W. Schulte,  N. Sommer, J. Schüpstuhl, C. Schumacher - Vereinsführer -, N.N., G. Schladot; (dahinter): 0.  Schulte, C. Bilge, H. Schröder; (sitzend): H. Fildhaut. J. Gurris. T. Johle - Königin -, J. Fildhaut -  König -, H. Goeke, F. Fildhaut.
Abbildung 44: Der letzte Schützenfestsonntag vor dem Krieg 1939. Auffallend ist, daß alle Vorstandsmitglieder bis auf die Schirmmützen keinerlei andere Schützensymbole wie Epauletten oder Schärpen tragen. Auf dem Bild ist auch die von den Nationalsozialisten eingeführte Fahne DRL links zu sehen (von links, stehend): H. Schüpstuhl, W. Goeke, W. Schulte, N. Sommer, J. Schüpstuhl, C. Schumacher – Vereinsführer -, N.N., G. Schladot; (dahinter): 0. Schulte, C. Bilge, H. Schröder; (sitzend): H. Fildhaut. J. Gurris. T. Johle – Königin -, J. Fildhaut – König -, H. Goeke, F. Fildhaut.

Wenn man zusammenfassend auf die Zeit des Nationalsozialismus in Wimbern zurückblickt, muß man aus heutiger Sicht feststellen, daß der Verein durch die äußeren Verhältnisse gezwungen wurde, bestimmte Strukturen zu übernehmen. Viele Entscheidungen innerhalb des Vereins zeigen, daß die Wimberner sich doch insgesamt recht zögerlich und abwartend gegenüber den Nationalsozialisten verhielten und in diesem Sinne nur das Nötigste taten.

Das letzte Schützenfest vor dem Krieg wurde am 11. und 12. Juni 1939 gefeiert und brachte einen Überschuß von 236,07 RM. Der Kontostand bei der Sparkasse Menden belief sich damit auf 870,52 RM.

Auch wenn in den Kriegsjahren keine Schützenfeste stattfanden, wurden 1940, 1941 und 1942 noch Generalversammlungen abgehalten, die natürlich von der Teilnehmerzahl her recht bescheiden ausfielen, weil viele Schützenbrüder Kriegsdienst leisten mußten. Im wesentlichen beschäftigen sich diese Versammlungen mit der Rechnungslage, zumal von den Schützenbrüdem weiter Mitgliedsbeiträge (4,- RM in zwei Raten) erhoben wurden. Bereits auf der vorerst letzten Generalversammlung 1942 gedachte man der bis dato gefallenen Krieger und Vereinsmitglieder, zu deren Ehre man sich von den Plätzen erhob.

Der Winter 1942/1943 brachte die Wende im Kriegsgeschehen.