Chronik des Vereins ab 1945

Das Ende des zweiten Weltkriegs und die Zeit des Wiederaufbaus

Viele kleinere Städte und Ortschaften im Deutschen Reich, besonders auch in Westfalen, litten vor allem in den letzten Kriegstagen unter den Einwirkungen heftiger Gefechte zwischen den zurückweichenden deutschen und den vordringenden amerikanischen Truppenverbänden. Insbesondere im April 1945, wenige Wochen vor der bedingungslosen Kapitulation am 8. Mai, kam es im heimischen Raum zu erwähnenswerten Kampfhandlungen, die noch zahlreiche Menschen das Leben kosteten. Die Alliierten versuchten zu diesem Zeitpunkt, den Kessel um das Ruhrgebiet, die deutsche Waffenschmiede, zu schließen.

Noch am 7. April versuchten deutsche Einheiten ihren Widerstand gegen die Amerikaner zu bündeln, indem sie sich vor den südlich des Haarstrangs vorrückenden Gegnern nach Wimbern zurückzogen, um in Wickede einen Meldekopf für versprengte Truppenteile zu bilden. Weiter berichtet Willi Mues in seiner Dokumentation über das Ende des zweiten Weltkrieges zwischen Lippe und Ruhr / Sieg und Lenne:

„10. April: Während der Nacht ging die 116. Panzerdivision auf folgende Linie zurück: Ruhrabschnitt von Neheim bis westlich Wickede-Bausenhagen-Lünern. Ein bei Wimbern in der Front der Division liegendes Krankenhaus wurde noch in der Nacht mit Krankenkraftwagen der Division geräumt und der Raum um das Krankenhaus von der kämpfenden Truppe ausgespart. Der Tag begann mit direktem Beschuß durch amerikanische Panzer auf den Divisionsgefechtsstand von den Höhen bei Wiehagen“
(Willi Mues: Der große Kessel, S. 328).

Die Kämpfe in der unmittelbaren Nachbarschaft Wimberns im östlichen Teil des Ruhrkessels gingen noch bis zum Waffenstillstand am Morgen des 16. April. Zuvor waren am 13. April Voßwinkel und nach dreitägigem Artilleriefeuer Echthausen besetzt worden. Bei dem Einmarsch der Amerikaner in Wimbern am 20. April wehte aus jedem Haus ein weißes Tuch als Zeichen der Kapitulation und Friedfertigkeit.

Wie in der ganzen Welt mußten auch in Wimbern und den umliegenden Ortschaften viele Opfer, die ihr Leben im Krieg verloren, beklagt werden. Dem Gedenken der Männer, die in den furchtbaren Kämpfen gefallen sind, ist auch ein Hinweis in der Friedhofskapelle in Barge gewidmet. Die schreckliche Bilanz umfaßt auch die Namen zahlreicher Schützenbrüder der St. Johannes Schützenbruderschaft:

  • Heinrich Beringhoff
  • Alfred Danne-Rasche
  • Helmut Fildhaut
  • Paul Fischer
  • Kaspar Goeke
  • Werner Goeke
  • Josef Guntermann
  • Josef Gurris, Bellingsen
  • Peter Gurris
  • Theodor Knieper
  • Alfons Langes
  • Josef Langes
  • Wilhelm Osterhaus
  • Wilhelm Richter
  • Josef Risse
  • Franz Schüpstuhl
  • Heinrich Schüpstuhl
  • Josef Schüpstuhl
  • Wilhelm Schüpstuhl
  • Wilhelm Schüpstuhl
  • Paul Spiekermann
  • Wilhelm Voß
Abbildung 45: Wie in jedem Jahr gedachten die Schützen auch 1990 vor Beginn des Hochamtes am  Schützenfestsamstag der gefallenen und Verstorbenen  ihrer Bruderschaft, zu deren Ehren sie einen Kranz in der  Friedhofskapelle niederlegen.
Abbildung 45: Wie in jedem Jahr gedachten die Schützen auch 1990 vor Beginn des Hochamtes am Schützenfestsamstag der gefallenen und Verstorbenen ihrer Bruderschaft, zu deren Ehren sie einen Kranz in der Friedhofskapelle niederlegen.
Abbildung 46: Das Schützenhochamt und die Totenehrung 1990 zelebrierte Vikar  Lingemann (von links: Franz Korte, König Jürgen Malchus, Brudermeister Caspar Bilge sowie die Adjutanten und Fahnenoffiziere, rechts im Bild Vikar Alfons Lingemann).
Abbildung 46: Das Schützenhochamt und die Totenehrung 1990 zelebrierte Vikar Lingemann (von links: Franz Korte, König Jürgen Malchus, Brudermeister Caspar Bilge sowie die Adjutanten und Fahnenoffiziere, rechts im Bild Vikar Alfons Lingemann).

Im Anschluß an den verlorenen zweiten Weltkrieg hatten die Schützenvereine der drei westlichen Besatzungszonen zunächst keine Möglichkeit, an das Vereinsleben der Vorkriegszeit anzuknüpfen. Sie wurden von den Alliierten als paramilitärische Vereinigungen verboten. Erst 1947 brachten Bemühungen der katholischen Kirche in Deutschland einen Ausweg: Sie erreichten die Zulassung von Schützenbruderschaften als mit der Kirche verbundene Vereinigungen. Im Zuge dieser Entwicklung kam es zur zweiten Namensänderung der Vereinsgeschichte: Nachdem der Gründungsname, der 1891 „Bruderschaftsverein zu Wimbern“ gelautet hatte, 1893 in „Schützenverein“ umbenannt worden war, gab man sich am 28. Dezember 1947 den Namen „St. Johannes Schützenbruderschaft Wimbern im Diözesanverband vom hl. Sebastianus im Bistum Paderborn“. Unter der Leitung des Brudermeisters Franz Schriek beschloß die Versammlung darüber hinaus, sich den Historischen Deutschen Schützenbruderschaften Köln anzuschließen.

Damit war nach achtjähriger Unterbrechung im Juli 1948 – kurz nach dem Beginn der „Luftbrücke Berlin“ am 8. Juli – wieder das Feiern eines zweitägigen Schützenfestes möglich. Wenige Tage zuvor, am 20. Juni, war die Währungsreform in Kraft getreten: Die Bewohner der drei Westzonen – somit auch die unter britischer Besatzung stehenden Westfalen – erhielten mit ihren Lebensmittelkarten im Tausch 1:1 für vierzig Reichsmark vierzig neue Deutsche Mark.

Die wirtschaftliche Not, unter der die Bevölkerung in dieser Zeit litt, tat der Feststimmung jedoch keinen Abbruch. Wurden auch zahlreiche Schützenbrüder, die im Krieg gefallen oder in den vergangenen Jahren gestorben waren, schmerzlich vermißt, so war das Bedürfnis, endlich wieder fröhlich feiern zu können, doch sehr groß.

Früher waren während der Schützenfeste in einer provisorischen, nicht ummauerten Küche, die durch ein Schleppdach nur notdürftig vor Witterungseinflüssen schützte, vor allem Bratheringe verkauft worden. Obwohl Caspar Schumacher jedoch noch vor dem ersten Nachkriegsschützenfest einen festen unterkellerten Raum baute, in dem ein riesiger Wehrmachtsherd aufgestellt wurde, übernahmen Vorstandsmitglieder während des Schützenfestes 1948 die Beköstigung der Musiker. Zu den Schützenfesten wurde die Halle, in der im Jahresverlauf Schumachers Dreschkästen und die Ernten Wimberner Bürger gelagert waren, ausgeräumt.

Bereits die ersten Schützenfeste erleichterten zahlreichen neuen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die es durch die Kriegswirren nach Wimbern verschlagen hatte, die Eingliederung ein wenig. Sicherlich war es gerade in einem so kleinen Ort sehr schwierig, Fuß zu fassen, doch zahlreiche neue Schützenbrüder wurden fest in unsere Bruderschaft integriert und zu tragenden Kräften im Dorf- und Vereinsleben.

Doch zurück zum Schützenfest 1948: Zwar hatte die Generalversammlung beschlossen, die Königswürde in Ermangelung von Feuerwaffen nach Möglichkeit mit der Armbrust auszuschießen oder aber durch Gänseköpfen zu vergeben; doch wurde der erste Nachkriegskönig – Bernhard Hornkamp – schließlich auf ganz andere Weise ermittelt: Der Kampf um die Königswürde entschied sich durch Steinwürfe nach dem Holzvogel, der durch Fäden an einem Kranz von Glühbirnen befestigt war. War die letzte Birne getroffen, so fiel der ganze Adler aus seinem Horst.

Zuvor hatten sich die Schützenbrüder bereits um 6.30 Uhr auf dem Festplatz zum gemeinsamen Kirchgang eingefunden, obwohl man am Vorabend bereits kräftig gefeiert hatte. So konnte der langjährige Schriftführer Franz Risse dann auch vermerken:

„Hochwürden Herr Pfarrvikar Becker als Präses nahm an den feierlichen Festakten redlichen Anteil. Selbst das in altgewohnter Weise gefeierte Fest wurde zu seiner Befriedigung durchgeführt.“

Nach dem Vogelschießen zogen die Frauen der Schützenbrüder mit Eimern, Zucker, Eiern und Schneebesen zum Festplatz, um dort das beliebte Eierbier anzurühren. Der doch etwas eigenwillige Geschmack und vor allem der strenge Geruch der Gläser am nächsten Tag ließen die Gewohnheit des Eierbiertrinkens aber nach einigen Jahren einschlafen.

Neben den rechtlichen Schwierigkeiten, die dem Feiern des ersten Nachkriegsschützenfestes im Wege gestanden hatten, mußten noch einige andere Probleme gelöst werden; so befand sich die Halle infolge des Krieges offensichtlich in einem schlechten Zustand. Besonderes Lob für ihre Mithilfe bei den Aufräumungs- und Wiederaufbauarbeiten verdiente sich die Wimberner Jugend. In welch desolatem Zustand sich die Halle befand, zeigt auch ein Hinweis in der Vereinschronik, der besagt:

„Der kommenden Generation zur Kenntnis sei folgende Tatsache festgelegt: Nach Feststellung des Schützenvorstandes fehlten folgende Gegenstände:
Der Kassiererraum halb,
Unterlagen des Fußbodens,
22 Bänke, 7 Tische, fast sämtliche Pfähle und zehn Fuß Bodenbretter.“

An dieser Stelle sei angemerkt, daß es sich bei der bisher benutzten Kartenbude nicht um die besagte 1948 fehlende Hälfte des Kassiererraums handelt.

Abbildung 47: Gerhard Coerdt, Reinhard  Fildhaut und Edmund Schmidt beim Dienst an der Kartenbude.
Abbildung 47: Gerhard Coerdt, Reinhard Fildhaut und Edmund Schmidt beim Dienst an der Kartenbude.

Zur Eintragung der Schützenbruderschaft ins Vereinsregister kam es erst 1950, um die Freigabe des von den Alliierten gesperrten Vereinsvermögens zu erreichen.

Während die einstimmige Entscheidung für die Eintragung ins Vereinsregister in einer außerordentlichen Vollversammlung im März fiel, fanden die ordentlichen Jahreshauptversammlungen der Nachkriegszeit zunächst jährlich am Ostermontag statt. Daß diese Gewohnheit das enge Verhältnis zur Kirche keineswegs trübte, beweist nicht nur eine Entscheidung aus demselben Jahr, die jedem Schützenbruder die Teilnahme sowohl an den Festzügen als auch am Kirchgang auferlegte. Auch der in Barge neueingeführte Pfarrvikar Stracke untermauerte – wie die Chronik zu berichten weiß – bei seiner Vorstellung als Präses die Verbundenheit:

„Er gab kund, daß es ihm eine Freude sei, als Präses der Bruderschaft vorzustehen.“ Dieser Freude verlieh er dann auch gemeinsam mit Pfarrvikar a.D. Stratmann auf vielen Festen so lange und ausgiebig Ausdruck, daß er sich nach oftmaligem Aufsuchen der Kaffee- und Biertheke von einem Schützenbruder den Rat geben lassen mußte: „Drink nit seau viell Beuer, dann briuks de eauk nit seau viell Kaffeu.“ (Trink nicht soviel Bier, dann brauchst Du auch nicht soviel Kaffee.)

Offensichtlich zeigte sich 1950 nicht nur die Vereinskasse durch die Freigabe des Vereinsvermögens am 2. November erholt, so daß das Schußgeld für den König von 40 auf 60 DM angehoben werden konnte, sondern der vorsichtige wirtschaftliche Aufschwung erlaubte auch zahlreichen Schützenbrüdern die Anschaffung neuer Mützen. Daß „made in Germany“ bereits damals ein Qualitätssiegel war, beweist die Tatsache, daß heute noch zahlreiche dieser „Kopfbedeckungen der ersten Stunde“ auf den Wimberner Schützenfesten zu bewundern sind.

Was das Ringen um die Königswürde anbelangt, machte man 1950 einen Fortschritt: Zwar waren die ab 1954 benutzten Jagdgewehre noch nicht wieder erlaubt, doch konnte der Steinwurf durch den Schuß mit Kleinkalibergewehr bzw. „Luftbüchse“ abgelöst werden, obwohl erst am 9. Juli 1951 von den Westalliierten die Beendigung des Kriegszustandes mit Deutschland erklärt wurde. Gezielt wurde aber nach wie vor nicht auf den Vogel selbst, sondern auf die Glühbirnen, an denen er befestigt war.

Auf der Jahreshauptversammlung 1951 wurde beschlossen, jeden Schützenbruder, der nicht an den Festzügen teilnahm, mit einer Strafe von 2 DM zu belegen – eine Regelung, die der Bruderschaft heute bedauerlicherweise sicher einen warmen Geldregen bescheren würde! Auf dem Fest des 60jährigen Jubiläums aber, das übrigens erstmals mit dem Weckruf einer Musikkapelle eingeleitet wurde, gab es keinen Grund, über die Beteiligung an den Festzügen zu klagen. Im Gegenteil war der Festzug durch geschmückte Pferdewagen und die erstmalige Teilnahme von Gastvereinen aus den benachbarten Ortschaften besonders prunkvoll.

Abbildung 48: Pferde spielten auf den Wimberner Schützenfesten eine große Rolle -  Brudermeister und Adjutanten waren in den 50er Jahren beritten, so auch auf diesem Bild von  1951, (von links) Caspar Bilge, Wilhelm Brunert und Franz Fildhaut, der sich mit seinem Pferd  "Condor" sogar auf der Tanzfläche sicher bewegte.
Abbildung 48: Pferde spielten auf den Wimberner Schützenfesten eine große Rolle – Brudermeister und Adjutanten waren in den 50er Jahren beritten, so auch auf diesem Bild von 1951, (von links) Caspar Bilge, Wilhelm Brunert und Franz Fildhaut, der sich mit seinem Pferd „Condor“ sogar auf der Tanzfläche sicher bewegte.
Abbildung 49: Die Kutsche des Königspaares von 1952 (von links): Franz Schröder, dem später das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde, N.N., Königin Maria Fildhaut, Maria Goeke, König  Caspar Schumacher, als Eskorte Caspar Bilge und Franz Korte.
Abbildung 49: Die Kutsche des Königspaares von 1952 (von links): Franz Schröder, dem später das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde, N.N., Königin Maria Fildhaut, Maria Goeke, König Caspar Schumacher, als Eskorte Caspar Bilge und Franz Korte.
Abbildung 50: Schützenfest 1951 (von links): Franz Schröder, Maria Beringhoff, Marita  Luxemburger, Königin Käthe Bilge, König Franz Korte, Bürgermeister Josef Sartorius.
Abbildung 50: Schützenfest 1951 (von links): Franz Schröder, Maria Beringhoff, Marita Luxemburger, Königin Käthe Bilge, König Franz Korte, Bürgermeister Josef Sartorius.
Abbildung 51: Antreten der Schützenbrüder, (von links): Willi Schulte, Franz Korte, Günter  Gutland, Johann Heinrich, Georg Patcek, Josef Wälter, Josef Knieper, Willi Luig, Franz Schmidt,  Walter Hagenschulte, Heiner Bilge, Heinrich Bettermann, N.N., Egon Gurris, N.N., N.N.
Abbildung 51: Antreten der Schützenbrüder, (von links): Willi Schulte, Franz Korte, Günter Gutland, Johann Heinrich, Georg Patcek, Josef Wälter, Josef Knieper, Willi Luig, Franz Schmidt, Walter Hagenschulte, Heiner Bilge, Heinrich Bettermann, N.N., Egon Gurris, N.N., N.N.
Abbildung 52: Schützenfest 1953 - Der Festzug mit mehreren Kutschen bot ein prachtvolle Bild;  die vorausfahrende Kutsche mit König Georg Ptacek und Königin Mathilde Schüpstuhl  (verdeckt) mit Eskorte.
Abbildung 52: Schützenfest 1953 – Der Festzug mit mehreren Kutschen bot ein prachtvolle Bild; die vorausfahrende Kutsche mit König Georg Ptacek und Königin Mathilde Schüpstuhl (verdeckt) mit Eskorte.
Abbildung 53: Schützenvogel mit den  königlichen Insignien Krone, Zepter und  Apfel.
Abbildung 53: Schützenvogel mit den königlichen Insignien Krone, Zepter und Apfel.

1951 war es auch, als der langjährige spätere Brudermeister Alfred Luig erstmals den Schützenvogel erstellte, so daß er 1991 neben dem 100jährigen Vereinsbestehen auch ein kleines 40jähriges „Vogelbauerjubiläum“ feiern kann.

Eine lange Tradition hat aber auch ein unerfreulicheres Thema: Bereits im Jahresbericht 1952 findet sich ein Hinweis auf Meinungsverschiedenheiten mit der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA). Es wird berichtet über die kostenpflichtige Zurückweisung einer Klage dieser Gesellschaft gegen die Schützenbruderschaft, die Zahlungsforderungen nicht nachgekommen war. Auch in den letzten Jahren kam es auf den Jahreshauptversammlungen wiederholt zu heftigen Diskussionen über Berechtigung und Höhe erhobener Tantiemen.

In der damaligen Zeit gab es – abgesehen von den beliebten „Laurentia“- Auftritten des „Laienpuppenspielers“ Christoph Schüpstuhl in den Jahren vor dem zweiten Weltkrieg – noch keine Kinderbelustigung; auch die Aufwendungen des Vereins für Süßigkeiten betrugen 1955 ganze 3.- DM (!), so daß eine abendliche Polonäse gleichzeitig Höhepunkt und Ende des Festtages für die Kinder war. Zu vorgerückter Stunde wurde dann auch die Schützenfahne unter reger Teilnahme der Festbesucher und -besucherinnen auf Goeken Hof getragen.

Doch offensichtlich klappte es weder mit dem Heimbringen der Kinder noch mit dem nächtlichen Verhalten der Festgäste immer so, wie es sich die Barger Geistlichkeit vorstellte. Denn wie der Chronist zu berichten weiß, ergriff Vikar Stracke im Verlauf der Jahreshauptversammlung 1954 das Wort nicht nur, um Glaube, Sitte und Heimat als Aufgaben der Bruderschaften zu erläutern.

„Außerdem rügte er das Verhalten während des Festes in den Abendstunden. Nach seinen Ausführungen müßten die Jugendlichen rechtzeitig den Festplatz verlassen und forderte die Schützen auf, der Jugend ein entsprechendes Beispiel zu geben.“

Bei den anstehenden Vorstandsneuwahlen trat der verdiente Brudermeister Franz Schriek, der sein Amt insgesamt zehn Jahre bekleidet hatte, zurück und wurde durch Karl Köttendorf abgelöst.

Veränderungen gab es auch von der Generalversammlung 1955 zu vermerken, an der erstmals Pfarrvikar Agethen teilnahm: Bis zu diesem Jahr war es üblich, daß der königliche Hofstaat nur aus Frauen bestand. Die Neuregelung jedoch lautete folgendermaßen:

„Die Zusammenstellung des Hofstaates übernimmt der König in der Form, daß er vier Hofherren bestellt und diese ihre Damen. Die Begleichung der Rechnung soll dem König und den Herren überlassen werden.“

Abbildung 54: Schützenfest 1955 - erstmals bestimmte der König seine Hofherren, die ihre  Hofdamen wählten (von links): Toni und Heinrich Goeke, Anneliese Schriek und Heinz  Schumacher, Königspaar Elisabeth und Franz Bürmann, Ursula und Gerd Bürmann, Margret  Ostermann und Karl Bürmann.
Abbildung 54: Schützenfest 1955 – erstmals bestimmte der König seine Hofherren, die ihre Hofdamen wählten (von links): Toni und Heinrich Goeke, Anneliese Schriek und Heinz Schumacher, Königspaar Elisabeth und Franz Bürmann, Ursula und Gerd Bürmann, Margret Ostermann und Karl Bürmann.

Eine Regelung, die noch heute mancher König bedauern mag, ist er doch seither nicht mehr einziger Hahn im Korbe.

Eine andere Entscheidung jener Zeit – statt der gewohnten Eintrittskarten Tanzkarten zu vergeben – hatte weitaus kürzeren Bestand als die Verpflichtung Arnold Schusters, der mit seiner Schießbude bis in die 70er Jahre treuer Begleiter der Wimberner Schützenfeste blieb.

Im Zusammenhang mit Tanzen ist noch eine interessante Gepflogenheit zu vermerken, die es trotz regen Andrangs allen Tänzerinnen und Tänzern erlaubte, zum beliebten Walzer, Foxtrott oder Schieber zu kommen. Es wurde kurzerhand ein Seil über die Tanzfläche gespannt, mit dem die Paare aus einem Ausgang herausgeschoben wurden. Sie gingen dann hinter der Halle entlang, um am Eingang erneut zum Tanze anzustehen. (Einigen kam diese Unterbrechung sicher sehr gelegen – sei es, um ein wenig zu verschnaufen oder die Liebste innigster Zuneigung zu versichern!)

Chronistenpflicht war es außerdem, über erneute Forderungen der GEMA in diesem Jahr zu berichten, die erheblich weniger Freude hervorgerufen haben dürften, als der Beschluß, auf zukünftigen Festen die Toiletten zu beleuchten.

Ebenfalls 1955 löste der Spielmannszug Voßwinkel den Spielmannszug der Feuerwehrkapelle Wickede bei der musikalischen Begleitung der Festzüge ab. Daraus entstand ein inzwischen schon traditionell gutes Verhältnis, als dessen jährlicher Höhepunkt sicherlich die Reveille am Morgen des Schützenfestsonntags betrachtet werden darf.

Für das Jahr 1955 gibt es noch eine interessante Begebenheit aus dem „Dunstkreis“ des Schützenvereins zu erzählen: Anfang der 50er Jahre hatten sich einige junge Männer, die der Bruderschaft angehörten, zu einer Gruppe zusammengeschlossen, die sich die „Caballeros“ nannte. Zu erkennen waren die bis zu 25 Männer an Strohhüten in „Kreissägenform“. Im Jahr 1955 unternahmen sie für damalige Verhältnisse Ungeheuerliches: Sie machten einen gemeinsamen Ausflug mit unverheirateten jungen Frauen zur Ahr – ein Ereignis das Wimbern in Atem hielt! (Dieser Ausflug fand übrigens am 11. und 12. September statt, also unmittelbar am Namenstag der zahlreichen Marias in Wimbern. So wurden große Mengen Wein als Namenstagsgeschenke eingekauft. Es ist jedoch verbürgt, daß nur wenige Flaschen davon die Heimfahrt überstanden und ihren Bestimmungsort erreichten …)

Abbildung 55: Einige der "Caballeros" (von links, hintere Reihe): Paul  Hagenschulte, Theo Fildhaut, Hubert Fischer, Werner Schwarz, Willi Schulte,  Alfons Goeke; (vordere Reihe): Franz Goeke, Franz Korte, Georg Ptacek.
Abbildung 55: Einige der „Caballeros“ (von links, hintere Reihe): Paul Hagenschulte, Theo Fildhaut, Hubert Fischer, Werner Schwarz, Willi Schulte, Alfons Goeke; (vordere Reihe): Franz Goeke, Franz Korte, Georg Ptacek.

Damals wie heute wurde die Vorbereitung des Schützenplatzes zum Fest in Gemeinschaftsarbeit geleistet. Jedoch waren die Arbeiten an der alten Halle, die bis 1967 als Schützendomizil diente und 1989 abgerissen wurde, ungleich mühseliger als an der heutigen. Es mußten nicht nur eine Einfriedung errichtet, Theken aufgebaut, für Beleuchtung gesorgt und Fußböden gelegt werden; besonders war das bereits beschriebene Aufschlagen von Tischen und Bänken eine schweißtreibende Angelegenheit, zumal der Untergrund auf „Helmigs Ufer“ aus hartem Schieferboden besteht. Auch das war sicher ein Grund dafür, daß sich die Schützen 1956 entschlossen, nicht mehr nur zwei, sondern drei Tage zu feiern. Eine Ausdehnung der offiziellen Schützenfesttage auf den Samstag war allerdings durch den gewohnten Kommersabend vorbereitet und behördlicherseits gab es – anders als bei der Verlängerung der Feste Ende des 19. Jahrhunderts – keine Schwierigkeiten.

Für die nächtliche Bewachung des Festplatzes wurden damals übrigens immerhin 20 DM gezahlt.

In der Zeit seit ihrem Bau 1898 hatte der Zustand der Schützenhalle nicht nur unter den Einflüssen zweier Weltkriege stark gelitten. Deshalb entschloß man sich 1957 zu einer Umbaumaßnahme, die der Halle jenes Aussehen verlieh, das sie bis zu ihrem Abriß 1989 weitgehend behielt: Die Nord- und Westseite wurden massiv ausgebaut. Die Kosten für diese Baumaßnahme bedingten gleichzeitig, daß einem früheren Beschluß der Mitgliederversammlung, eine Plane zur Vergrößerung der Halle anzuschaffen, erst ein Jahr später Rechnung getragen werden konnte. Diese vom Vorstand kurzfristig zu treffende Entscheidung wurde nachträglich von der Generalversammlung fast einstimmig unterstützt.

Abbildung 56: Trotz - oder vielleicht gerade wegen - der Mühen, die das Herrichten der alten Halle kostete, ließ sich dort gemütlich feiern, wie diese Aufnahme mit Fritz Knieper und Caspar Schumacher zeigt.
Abbildung 56: Trotz – oder vielleicht gerade wegen – der Mühen, die das Herrichten der alten Halle kostete, ließ sich dort gemütlich feiern, wie diese Aufnahme mit Fritz Knieper und Caspar Schumacher zeigt.

Wurde bis 1958 der Termin für das Schützenfest jährlich neu diskutiert und i.d.R. auf Termine zwischen Mitte Mai und Mitte Juni gelegt, so entschieden sich die Schützen nun, in Zukunft immer am ersten Juniwochenende zu feiern.

Im Jahr 1960 wurde eine Reihe von altgedienten Schützenbrüdern geehrt, unter denen sich auch das letzte damals noch lebende Gründungsmitglied Wilhelm Sturzenhecker befand. Er war es auch, der sich in jenen Jahren bei einem Besuch von Vorstandsmitgliedern anläßlich seines 90. Geburtstages an die eingangs angesprochene Überlieferung erinnerte, die besagte, in Wimbern seien bereits lange vor der Vereinsgründung 1891 Schützenfeste gefeiert worden.

Abbildung 57: Schützenfest in der zweiten Hälfte der 50er Jahre - Der Spielmannszug Voßwinkel ist seit 1955 vom Wimberner Schützenfest nicht mehr wegzudenken.
Abbildung 57: Schützenfest in der zweiten Hälfte der 50er Jahre – Der Spielmannszug Voßwinkel ist seit 1955 vom Wimberner Schützenfest nicht mehr wegzudenken.
Abbildung 58: Krankenbesuch bei Johann Heinrich im Park der alten Krankenhausbaracken  durch Josef Risse, Fritz Osterhaus und Stephan Hainka.
Abbildung 58: Krankenbesuch bei Johann Heinrich im Park der alten Krankenhausbaracken durch Josef Risse, Fritz Osterhaus und Stephan Hainka.

Seit 1960 findet das Schützenhochamt nicht mehr montags morgens statt, sondern auf Anregung Vikar Agethens wurde es auf den Sonntag verschoben. Außerdem wurde beschlossen, das Fest mit dem Abholen des Brudermeisters zu beginnen. Auch konnte man damals noch das Risiko eingehen, den Vogel bereits samstags auf die unbewachte Stange am Wimberner Stühlchen zu setzen, ohne befürchten zu müssen, daß er montags „ausgeflogen“ sein könnte. Vielleicht war der Vogel aber auch nur deshalb in Sicherheit, weil sich bei dem Wetter, das damals in der Regel auf Wimberner Schützenfesten herrschte, kein Spitzbube vor die Tür begab. Der alljährliche Regenguß, der die Feste in der alten Halle begleitete, führte 1960 zu einem Beschluß, den die MENDENER ZEITUNG wie folgt kommentierte:

„Der Vorstand der St.-Johannes-Schützenbruderschaft in Wimbern hat beschlossen: Zum Fest des Jahres 1961 wird das schwarz auf weiß gedruckte Programm durch den Zusatz ergänzt ’Alte Tradition – Regen’. Die Schützen der Gemeinde an der Ruhr haben nie über mangelnde Besucherzahlen zu klagen gehabt. Der neuerlich geplante Zusatz wird sicher zur weiteren Steigerung beitragen. Außerdem kommt man der Wahrheit sehr nahe: Mit Ausnahme des Jahres 1959 hat es in Wimbern seit Menschengedenken kein regenloses Schützenfest gegeben.“ 

Auch wenn die St. Johannes Schützen im allgemeinen recht traditionsbewußt sind, dürfte ihnen der Abschied von dieser Gewohnheit nicht schwergefallen sein – seit dem Bau der neuen Schützenhalle jedenfalls meinte es Petrus besser mit den Besuchern der Wimberner Feste.

Mit der Gründung des eigenständigen Sportschießclubs „Wildschütz Wimbern“ begann 1960 eine sehr freundschaftliche Verbindung, die bereits im folgenden Jahr erste Früchte trug: die Sportschützen, die für die St.Johannes Bruderschaft angetreten waren, siegten beim Bezirksschießen.

Im Januar 1962 wurde eine außerordentliche Generalversammlung in die Gastwirtschaft Fildhaut einberufen, weil das Vogelschießen gemäß einer neuen Verordnung nicht mehr ohne Kugelfang durchgeführt werden durfte. Nach einer Ortsbesichtigung entschloß man sich, das Ringen um die Königswürde von der Vogelstange unter dem Wimberner Stühlchen – die übrigens noch heute steht – an die Böschung der Großkettler’schen Wiese am Wimberner Bach zu verlegen. Deshalb schlossen sich die St.Johannes Schützen auch nicht dem Antrag des damaligen Bundesmeisters und heutigen Ehrenbezirksbrudermeisters Griesenbrock auf einem Treffen der Schützenbruderschaften des Amtes Menden an, gemeinsam einen fahrbaren Kugelfang anzuschaffen. Die Kosten für den Bau eines eigenen, feststehenden Kugelfangs scheinen nicht besonders hoch gewesen zu sein, sonst hätte die Bruderschaft den günstigen Bierpreis der Vorjahre von 35 Pfennigen sicher nicht halten können. Es fiel sogar noch genügend Geld ab, um einige Meter Tuch für grün-weiße Schützenfestfahnen zu kaufen.

Abbildung 59: Vogelschießen am Wimberner Stühlchen in den 50er Jahren. Damals gab es  weder einen Kugelfang noch Befestigungen für die Gewehre.
Abbildung 59: Vogelschießen am Wimberner Stühlchen in den 50er Jahren. Damals gab es weder einen Kugelfang noch Befestigungen für die Gewehre.
Abbildung 60: Der Schützenvorstand von 1962 (von links, sitzend): Franz Risse, Firtz Osterhaus, Otto Großkettler-Schulte, König Gerhard Coerdt, Karl Köttendorf, Willi Schulte; (stehend): Franz Goeke, Heinz Schumacher, Franz Fischer, Alfred Luig, Franz Korte.
Abbildung 60: Der Schützenvorstand von 1962 (von links, sitzend): Franz Risse, Firtz Osterhaus, Otto Großkettler-Schulte, König Gerhard Coerdt, Karl Köttendorf, Willi Schulte; (stehend): Franz Goeke, Heinz Schumacher, Franz Fischer, Alfred Luig, Franz Korte.
Abbildung 63: Schützenfest 1962 (von links, stehend): Hubert Zimmermann, Heinz Schumacher, Josef Coerdt, Willi Schulte, Franz Korte, Karl Köttendorf, Gerhard Coerdt, Heinz Kirch, Alfons  Goeke, Franz Risse, Alois Boike; (sitzend): Frau Boike, Gertrud Zimmermann, Vikar Agethen,  Königspaar Ida Jahn und Hubert Grundmeier, Theresia Grundmeier, Clemens Jahn, Irmhild  Kirch, Anni Goeke.
Abbildung 63: Schützenfest 1962 (von links, stehend): Hubert Zimmermann, Heinz Schumacher, Josef Coerdt, Willi Schulte, Franz Korte, Karl Köttendorf, Gerhard Coerdt, Heinz Kirch, Alfons Goeke, Franz Risse, Alois Boike; (sitzend): Frau Boike, Gertrud Zimmermann, Vikar Agethen, Königspaar Ida Jahn und Hubert Grundmeier, Theresia Grundmeier, Clemens Jahn, Irmhild Kirch, Anni Goeke.

Die außerordentliche Versammlung im Winter 1961/62 muß den Schützenbrüdern so gut gefallen haben, daß sie von ihrer Gewohnheit abwichen, ihre Jahrestreffen am Ostermontag abzuhalten. So kam es bereits im Januar 1963 zu Vorstandsneuwahlen, in deren Verlauf Karl Köttendorf, der seit 1954 als Brudermeister amtiert hatte, von Franz Korte abgelöst wurde. Daß aber die Generalversammlungen jener Jahre nicht immer nur in harmonischer Weise verliefen, beweist ein Beschluß jener Sitzung, der besagt:

„Wenn ein Mitglied die Versammlung stört, kann ihm das Wort entzogen werden.“

 

Der Bau der neuen Schützenhalle

Ein Jahr später wurde erstmals der Bau einer neuen Schützenhalle diskutiert und dazu das später tatsächlich genutzte Grundstück an der Wiesenstraße ins Auge gefaßt.

Zuvor aber dokumentierte das 1964 durchgeführte Kinderschützenfest in besonderer Weise die Verbundenheit unseres jetzigen Brudermeisters Caspar Bilge mit dem Schützenwesen, sah man ihn doch bereits damals als Jungschützenkönig vom feierlichen Festzug umrahmt im Bollerwagen sitzen.

Abbildung 61: Kinderschützenfest 1964 (von links, stehend): Gisela Coerdt, Mechthild Schmidt, Karl-Heinz Schüpstuhl, Monika Coerdt, Caspar Bilge und Dagmar Ritzenhoff; (hockend): Franz  Korte, Marion Bormann.
Abbildung 61: Kinderschützenfest 1964 (von links, stehend): Gisela Coerdt, Mechthild Schmidt, Karl-Heinz Schüpstuhl, Monika Coerdt, Caspar Bilge und Dagmar Ritzenhoff; (hockend): Franz Korte, Marion Bormann.

1965 intensivierten sich die Bemühungen um den Bau einer neuen Schützenhalle. Die zunächst angestrebte Baugenehmigung am Feuerwehrgerätehaus wurde jedoch von der zuständigen Baubehörde ebenso abgelehnt wie ein späterer Einspruch beim Arnsberger Regierungspräsidenten. Daraufhin wurde in Erwägung gezogen, das bereits erwähnte Grundstück der Gemeinde Wimbern an der Wiesenstraße zu bebauen. Ein Teil der Kosten eines Neubaus sollte durch den Verkauf der alten Halle an Kaspar Schumacher gedeckt werden.

Wie eng der Zusammenhalt der Bruderschaft in jener Zeit war, unterstreicht, daß sich jeder Schützenbruder verpflichtete, eine Spende von 100 DM aufzubringen. Die Restfinanzierung in Höhe von 25.000 DM sollte, so beschloß die Generalversammlung 1967, durch die Aufnahme eines Darlehens sichergestellt werden.

Die Schützenbrüder fieberten dem Baubeginn geradezu entgegen; das belegt u.a. eine Eintragung des damaligen Schriftführers Franz Schriek in den Jahresbericht:

„Nach langem Warten trudelte endlich die Baugenehmigung zu unserer neuen Halle ein. Es entstand jetzt in der Schützenbruderschaft sehr reges Leben, da die Bauarbeiten fast alle in Eigenleistung erstellt werden sollten. Am 17.9.66 konnte der erste Spatenstich gemacht werden …“

Abbildung 62: Mit viel Elan gingen die Schützen an den Bau der neuen Schützenhalle (von links): Gerhard Coerdt, Willi Schulte, N.N., Gastrat Fildhaut, Peter Fildhaut, Alfons Goeke.
Abbildung 62: Mit viel Elan gingen die Schützen an den Bau der neuen Schützenhalle (von links): Gerhard Coerdt, Willi Schulte, N.N., Gastrat Fildhaut, Peter Fildhaut, Alfons Goeke.
Abbildung 64: Der Rohbau der Schützenhalle im Winter 1966/67.
Abbildung 64: Der Rohbau der Schützenhalle im Winter 1966/67.
Abbildung 65: Einige der zahlreichen Frauen bei der Endreinigung (von links): Josefa Schmidt,  Erna Schüpstuhl, Grete Goeke, Sigrid Luig, Josefa Luig.
Abbildung 65: Einige der zahlreichen Frauen bei der Endreinigung (von links): Josefa Schmidt, Erna Schüpstuhl, Grete Goeke, Sigrid Luig, Josefa Luig.

Schon am 15. November wurde Richtfest gefeiert.

Die feierliche Einweihung des neuen Schützendomizils fand dank des unermüdlichen Einsatzes der Schützenbrüder und der Unterstützung ihrer Frauen wie geplant mit einem „Tanz in den Mai“ am 30. April 1967 statt. Voller Stolz konnten die Schützen auf die geleistete Arbeit zurückblicken, die es ermöglicht hatte, die Kosten für den Bau der Halle auf die Summe von nur 50.365 DM zu beschränken.

Brudermeister Franz Korte unterstrich in seiner damaligen Ansprache die bis heute zentrale Bedeutung der Schützenhalle als Bindeglied dörflicher Gemeinschaft und betonte:

„Jedem Bürger steht die Tür der Halle offen.“ 

Im Rückblick auf das anschließende Bezirksschützenfest schrieb Franz Schriek:

„Zum ersten Mal wurde die Halle von einem König betreten. Es wäre zu wünschen, daß sich dieses noch hunderte Male wiederholen möge.“

Und weiter heißt es im Jahresrückblick:

„Die Schützenbrüder wurden des Feierns nicht müde, so fand im Herbst ein Erntedankfest statt, um unsere überspannte Finanzlage zu verbessern. Das Tor zur Halle mußte sich noch einmal öffnen… Es muß hier noch einmal betont werden, daß alle Feste mit einem Wort niederzuschreiben, ’wundervoll’ verlaufen sind.“

Freude und Pathos dieser Sätze wurden sicherlich durch eine Entscheidung des Wimberner Gemeinderates verstärkt, die Schriftführer Schriek wie folgt kommentierte:

„Zum Schluß ist noch ein freudiges Ereignis zu berichten. Die Gemeinde schenkte durch notariellen Schenkungsvertrag vom 19.1.1968 das an der Wiesenstraße gelegene Grundstück der St. Johannes Schützenbruderschaft Wimbern zu eigen. Dieses Ereignis ist eines der schönsten und längsten Sitzungen meines bzw. unseres Lebens gewesen. Werte Schützen, es hat sich doch alles zum Gedeihen unseres Vorhabens, welches erst als unüberwindlich erschien, zum Guten der Bruderschaft gewendet. Wir sind einige Jahre unter einem Glückstern gewandelt mit Wohlwollen aller Behörden, dem Bürgermeister mit seinem Rat und allen beteiligten Behörden sei herzliches Dankeschön und nochmals Dankeschön gesagt. Denn nun haben wir vor der Zukunft keine Angst mehr.“

Auch wenn einige Formulierungen dieser Sätze dem heutigen Leser ungewohnt erscheinen mögen, belegen sie doch die Herzlichkeit und Treue, mit der die Schützen ihren Verein trugen.

Auf der Jahreshauptversammlung 1969 beschlossen die Schützen, in Zukunft statt der großen roten Epauletten schmale Schulterstücke zu tragen. Mit dieser Entscheidung hoben sich die Wimberner Schützen bewußt von dem allgemeinen Trend der Schützenvereine und -bruderschaften in dieser Zeit ab, sich ein immer mehr militärisches Erscheinungsbild zu verleihen. Die Absage an überzogenes militaristisches Gehabe versucht die St. Johannes Schützenbruderschaft bis heute konsequent fortzusetzen, z.B. auch durch ihren ausdrücklichen Verzicht auf Säbel, Orden, Ehrenzeichen und ähnliche Militaria. Lediglich Anstecknadeln für langjährige Vereinstreue werden von der Bruderschaft verliehen.

In dieses Bild paßt auch ein weiterer Beschluß der Generalversammlung 1969: Anstatt militärisch erscheinende Uniformen anzuschaffen, entschied man sich, in Zukunft ein schwarzes Sakko und weiße Hosen zu tragen; lediglich während des Vogelschießens wurden – vielleicht, um der anschließenden Beerdigung des alten Königspaares in angemessener Garderobe beiwohnen zu können – noch einige Jahre schwarze Beinkleider bevorzugt.

Überhaupt zählt die Beisetzung des abgelösten Regentenpaares vor malerischer Kulisse unter den Kastanien bei Nadermanns Hof inzwischen zu den liebgewonnen Traditionen des Schützenfestes in Wimbern. An die vom Ehepaar Schmidt liebevoll hergerichtete letzte Ruhestätte denkt sicherlich noch so manches gekrönte Haupt gern zurück, auch wenn sich in die laubbedeckten Hosenbeine schon so manche Brennessel verirrte. Den Abschied versüßen die Trauergesänge über die zwei Königskinder, die einander so lieb hatten, aber wegen des tiefen Wassers nicht zueinander kommen konnten. Im Anschluß an die Beisetzung zieht die Trauergemeinde – die mit einem Zweig geschmückten Schützenmützen verkehrt herum auf den Köpfen – zurück zur Schützenhalle. Bis zum erneuten Antreten am Montagabend bleibt dann wegen des in der Regel recht frühen Endes des Vogelschießens noch einige Zeit, die von vielen durch einen zünftigen Frühschoppen überbrückt wird. Auch ein anschließendes Nickerchen wird oft empfohlen, allerdings muß vor der Gefahr des Verschlafens gewarnt werden, ist es doch um jede Stunde schade, die man verpaßt!

 

Die Zeit nach der kommunalen Neugliederung

Das Jahr 1969 stand sowohl für die Schützenbruderschaft als auch für die Gemeinde Wimbern unter dem Zeichen der bevorstehenden kommunalen Neugliederung: Wimbern wurde der Großgemeinde Wickede angeschlossen. Daß diese Entscheidung in Wimbern auf wenig Gegenliebe stieß, verdeutlicht nicht nur der oben angesprochene Schenkungsvertrag über das Grundstück, auf dem die Halle steht. Darüber hinaus finanzierte der Rat der Gemeinde Wimbern, die sich nach wie vor zum alten Amt Menden zählte, im Frühjahr unter großem Zeitdruck eine Zwischendecke für das Schützendomizil.

Das Verhältnis der Schützen zur Gemeinde Wickede gestaltete sich in den Folgejahren jedoch relativ harmonisch. Bereits 1970 erlaubte es ein Entgegenkommen des Wickeder Rates, das Vogelschießen wieder an der alten Stange durchzuführen. Zuvor hatte Vikar Agethen in der Schützenmesse am Samstag die von den Schwestern im Heilig-Geist-Kloster angefertigte neue Fahne geweiht. Sie wurde in modernerer Gestaltung der alten Schützenfahne von 1893 nachempfunden, die sich 1963, nach siebzigjähriger wechselvoller Geschichte, bereits einer Ausbesserung hatte unterziehen müssen. Beide Fahnen tragen neben einer Darstellung des Namenspatrons St. Johannes auch eine Abbildung des Hl. Michael (siehe Abb. 29/30, und Abb. 66/67).

Abbildung 66: Die Vorderseite der neuen Fahne von 1970 mit einer  Darstellung des Heiligen Johannes des Täufers. Anders als bei der  Mehrzahl der Schützenfahnen handelt es sich hierbei nicht um einen  Druck, sondern Motiv und Aufschrift wurden in mühevoller  Handarbeit von den Schwestern des Heilig-Gest-Klosters gestickt.
Abbildung 66: Die Vorderseite der neuen Fahne von 1970 mit einer Darstellung des Heiligen Johannes des Täufers. Anders als bei der Mehrzahl der Schützenfahnen handelt es sich hierbei nicht um einen Druck, sondern Motiv und Aufschrift wurden in mühevoller Handarbeit von den Schwestern des Heilig-Gest-Klosters gestickt.
Abbildung 67: Die Rückseite der Schützenfahne von 1970 trägt eine  Darstellung des Erzengels Michael, der mit einer Lanze den Drachen  tötet. Die Motive beider Seiten der Fahne befinden sich in anderer  Gestaltung bereits auf der ersten Fahne des Vereins aus dem Jahre  1893 (vgl. auch Abb. 29/30).
Abbildung 67: Die Rückseite der Schützenfahne von 1970 trägt eine Darstellung des Erzengels Michael, der mit einer Lanze den Drachen tötet. Die Motive beider Seiten der Fahne befinden sich in anderer Gestaltung bereits auf der ersten Fahne des Vereins aus dem Jahre 1893 (vgl. auch Abb. 29/30).

1972 fand erneut ein Bezirksschützenfest statt, an dem auch der damalige Präses der Bezirksbruderschaft Dechant Jodokus Schulte und der Bezirksbrudermeister Ferdinand Griesenbrock teilnahmen.

Ein Jahr später wurden 280 neue Stühle (Stückpreis 25,50 DM) angeschafft. (Den Wimberner Gepflogenheiten entsprechend werden die 1974 fertiggestellten Theken aber weitaus stärker belagert als die Stühle. In Wimbern brauchen die Festbesucher im wahrsten Sinne des Wortes gutes Stehvermögen.)

Die Generalversammlung im Januar 1973 brachte zwei erwähnenswerte Entscheidungen: Mit knapper Stimmenmehrheit beschlossen die Anwesenden, statt des gewohnten Frühlingsfestes aus Terminschwierigkeiten ein Herbstfest zu veranstalten. Dazu kam es jedoch nicht, weil die Freiwillige Feuerwehr ihr Fest weiterhin im September feierte. Außerdem wurde in dieser Mitgliederversammlung angeregt, die Schützenfeste zukünftig von freitags bis sonntags zu feiern, doch dieser Vorschlag wurde fast einstimmig abgelehnt.

Im Laufe der Jahre nahm das Gewicht der Königskette von 1893 trotz des Verlustes einiger Gedenkabzeichen in solchem Maße zu, daß den Königen ihr ständiges Tragen nicht länger zugemutet werden konnte. Deshalb wurde beschlossen, eine weniger gewichtige Kette anzuschaffen.

Der erste König, der in den Genuß dieser ’Erleichterung’ kam, war Gerd Brall. Er durfte sich übrigens besonders lange dieser Zierde erfreuen, denn der 1974 von Alfred Luig gezimmerte Adler, klammerte sich besonders heftig an die Vogelstange. So kam es zu einem in der Geschichte der Schützenbruderschaft wohl beispiellosen Eingriff. Schriftführer Josef Schüpstuhl berichtet über einen „besonders langlebigen Vogel“:

„Dieser brachte es fertig, daß gegen 11.00 Uhr die Schützen beschlossen, die Stange herunter zu lassen, um den Vogel von seiner zähen Verbindung etwas zu lockern.“

(Ob der Schützenadler wohl deshalb so sehr an seinem Horst am Fuße des Wimberner Stühlchens hing, weil er wußte, daß er bereits im folgenden Jahr in einen Kugelfang an der Schützenhalle eingesperrt sein würde?) Ede Schmidt machte dem widerborstigen Federvieh schließlich den Garaus.

„Der weitere Festverlauf war wie in den Jahren zuvor und endete in fast brüderlichem Zusammensein und einmaliger Atmosphäre.“

1975 trat Franz Korte, der seit zwölf Jahren die Geschicke des Vereins hervorragend geleitet hatte, von seinem Amt zurück. Sein Nachfolger wurde Fritz Osterhaus.

Im Rahmen dieser Neuwahlen wurde der Vorstand (genauer gesagt der Beirat) um zwei z.b.V.-Offiziere (zur besonderen Verwendung) erweitert, so daß er bis auf die Position des Hallenwartes, die erst 1977 hinzukam, dem heutigen Umfang von 16 Mitgliedern entsprach. Dem (geschäftsführenden) Vorstand gehörten damals wie heute nur vier Personen an: Der Brudermeister, sein Stellvertreter, der Schriftführer und der Kassierer.

Wie bereits angedeutet wurde in diesem Jahr eine neue Vogelstange in Betrieb genommen. Das bedeutete den vierten Umzug des Schützenadlers, der wie schon berichtet zunächst auf dem Heubruch (150 m westlich des heutigen Hofes Korte), später am Wimberner Stühlchen und zwischenzeitlich an der Böschung der Großkettler’schen Wiese am Wimberner Bach seinen Horst aufgeschlagen hatte. Dazu wurde ein Hochspannungsleitungsmast mit einem Kugelfang versehen und am Schützenplatz einbetoniert, der noch im selben Jahr von der Gemeinde Wickede asphaltiert wurde.

Ebenfalls 1975 wurde die alte Tradition der Reveille (Wecken) am Schützenfestsonntag wiederbelebt: So herzlich die Voßwinkler Spielmänner auch aufgenommen werden – wenn sie in aller Frühe mit „Freut Euch des Lebens“ zum Aufstehen auffordern, bereitet das vielen Zechern nach oft recht kurzer Nacht doch einige Mühe.

Gebrochen wurde 1975 mit der Gewohnheit, daß nur Männer an der Abrechnung teilnehmen können. Schützenfestabrechnungen mit Musik und Tanz gemeinsam mit den Frauen blieben allerdings die Ausnahme.

Die Freizeitsportgemeinschaft (FSG) Wimbern führte im Spätsommer mit einem Kinderfest ihre erste größere Veranstaltung in der Schützenhalle durch.

Auch die Belegschaft des Marienkrankenhauses feierte ein Betriebsfest in der Halle, so daß die verbindende Bedeutung des Schützenheimes für das dörfliche Zusammenleben deutlich wurde.

1976 wird als das Jahr mit zwei ordentlichen Generalversammlungen in die Vereinsgeschichte eingehen. Auf der Jahreshauptversammlung am 24. Januar entschieden sich die Schützen, das nächste Jahrestreffen bereits im Herbst folgen zu lassen, weil die Vorbereitungen der Schützenfeste, vor allem aber die Vergabe von Küche, Restauration und Musik, mehr organisatorischen Spielraum erforderten. In dieser Versammlung wurde darüber hinaus die Anschaffung einer dringend erforderlichen Heizung beschlossen, die schon im folgenden Winter in Betrieb genommen werden konnte. Auch ein Angebot aus Wickede, die Tische aus der alten Halle der Großgemeinde zu übernehmen, wurde gerne aufgegriffen.

Die erste offizielle Veranstaltung des Jahres 1977 in der Schützenhalle war die Weihung eines Wimpels der Wimberner Jugendfeuerwehr am 15. Januar. Diese Feierlichkeit ist ebenso ein Hinweis auf die engen freundschaftlichen Kontakte, die zwischen den Wimberner Vereinen herrschen, wie ihr kurze Zeit später stattfindendes erstes gemeinsames Karnevalsfest. Auch ohne Programm war der Erfolg offensichtlich so groß, daß sich aus dieser Veranstaltung inzwischen eine echte Wimberner Karnevalstradition entwickelt hat. Diesem Karnevalsfest, das später durch ein Programm Westtünner Akteure bereichert wurde, fiel allerdings das gewohnte Frühlingsfest der Bruderschaft zum Opfer, auch wenn es im April 1977 noch ein letztes Mal gefeiert wurde.

Noch vor dem Schützenfest wurde unter der Regie des damals amtierenden Brudermeisters Fritz Osterhaus der Hallenvorplatz mit Verbundsteinen gepflastert; eine Veränderung, die wie Schriftführer Karl-Heinz Thomalla vermerkte, nicht nur bezüglich Sauberkeit und Pflege, sondern „auch von dem gesamten optischen Eindruck überzeugen“ konnte.

Das Vogelschießen des Jahres 1976 war – nicht nur für König Heinz Severin überraschend – schon mit dem 37. Schuß entschieden. An ein so jähes Ende des stolzen Adlers konnte sich damals niemand erinnern. Noch größere Überraschung machte sich jedoch nach dem letzten Schuß am Schützenfestmontag 1977 breit – war er doch von einer Frau abgegeben worden! Diesem Ereignis und der frischgebackenen Königin Elfriede Weische widmete sogar ein auflagenstarkes Boulevardblatt, das sonst eher durch große Bilder auffällt, einige Zeilen.

So stand das Schützenfest 1978 zunächst ganz im Zeichen der ersten und bisher einzigen Wimberner Schützenkönigin, die nicht durch Wahl, sondern durch Schuß zur Regentschaft gekommen ist. Um den Festzügen zu Ehren Königin Elfriede Weisches und ihres Prinzen Kaspar zusätzlichen Glanz zu verleihen, nahm selbst die Bundesschützenkönigin an ihnen teil.

Der Wimberner ’Emanzipationsbewegung’ wurde aber bereits im Juli desselben Jahres durch eine Satzungsänderung ein jähes Ende bereitet. Zu Debatten kam es dabei nur in bezug auf den § 2, der nun beinhaltet, daß auch weiterhin traditionsgemäß nur Männer der Schützenbruderschaft angehören können. Während alle anderen Paragraphen einstimmig angenommen wurden, kam es hier zu einer recht knappen Entscheidung: Mit 31 Ja- und 21 Nein-Stimmen bei zwei Enthaltungen verteidigten die (männlichen!) Stimmberechtigten ihre Domäne, so daß es nicht zur dritten Umbenennung in der Vereinsgeschichte kam: Sinnvollerweise hätte man (frau) sich ja „St. Johannes Geschwisterschaft Wimbern“ nennen müssen.

Abbildung 68: Königin Elfriede Weische und Prinz  Kaspar Weische.
Abbildung 68: Königin Elfriede Weische und Prinz Kaspar Weische.

Die Geschichte der Rolle der Frauen innerhalb des Vereins ist ein getreues Spiegelbild der gesellschaftlichen Entwicklung der Frauenrolle.

Zu Beginn der Vereinsgeschichte spielten die Frauen im Vereinsleben praktisch keine Rolle. Sie waren nur Festgäste. Auf dem ersten Vereinsfoto von 1903 ist keine Frau zu finden, denn der jeweilige König regierte bis 1909 alleine. Die erste Frau die namentlich innerhalb des Vereins festgehalten ist, ist die Königin von 1910 Josefine Fildhaut.

Das erste Schützenbild mit Frau (Königin W. Korte) existiert erst aus der Zeit nach dem ersten Weltkrieg (1920, siehe Abb. 34). In den frühen Jahren nach dem ersten Weltkrieg feierten die Männer am Samstag allein.

Die ersten Hofdamen (zuerst zwei, dann vier) traten Anfang der 30er Jahre in Erscheinung (siehe Abb. 38, 39 und 40).

Es dauerte dann bis nach dem zweiten Weltkrieg bis sich der vom König frei gewählte Hofstaat mit einer höheren Frauenzahl präsentieren durfte.

Frauen feiern zwar heutzutage an allen drei Schützenfesttagen mit, aber bei anderen Gelegenheiten, wie Stangenabend oder Festabrechnung, sind sie mehr oder weniger ausgeschlossen.

Am 30.9. und 1.10. feierte die Körperbehinderten Schule in Barge ihr 10jähriges Bestehen. Die große Beteiligung der Wimberner Bevölkerung an den Festlichkeiten verdeutlicht das freundschaftliche Verhältnis ebenso, wie einige Karnevalsfeste, die die Behinderten in der Wimberner Halle – teilweise gemeinsam mit den Schützen – feierten.

1979 lud die Schützenbruderschaft erstmals zu einem Altenabend ein, der damals noch in der Gastwirtschaft Fildhaut stattfand. Inzwischen sind diese Veranstaltungen von altgedienten Schützenbrüdern und deren Frauen auf alle älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger des Ortsteils Wimbern ausgedehnt worden. Sie finden alljährlich großen Anklang.

Im Verlaufe des Schützenfestsonntags 1979 wurde Pastor Agethen, der sein Amt in der St.Johannes Pfarrei nach 24 Jahren niedergelegt hatte, zum Ehrenpräses der Bruderschaft ernannt.

Abbildung 69: Pater Hempelmann, Vikar stratmann, Vikar Agethen (sitzend, von links), Pater  Bilge und Pater Schröder mit Maria Schüpstuhl und Elisabeth Schulte.
Abbildung 69: Pater Hempelmann, Vikar stratmann, Vikar Agethen (sitzend, von links), Pater Bilge und Pater Schröder mit Maria Schüpstuhl und Elisabeth Schulte.

Am folgenden Morgen brach Alfred Luig sein Versprechen, er werde einen von ihm selbst gezimmerten Schützenvogel nicht abschießen. In der Chronik ist vermerkt, nun habe er festgestellt, „wie zäh sein hölzerner Vogel manchmal sein kann.“

Die gutnachbarschaftlichen Beziehungen zur St. Michael Schützenbruderschaft Oesbern, mit der uns wie berichtet einige Jahre gemeinsamer Geschichte verbinden, wurden 1979 ebenso durch den Besuch ihres 75jährigen Jubiläums weiter gepflegt, wie die Freundschaft mit dem Spielmannszug Voßwinkel, dessen Fest zum 50jährigen Bestehen Vertreter unserer Bruderschaft besuchten.

An der im November stattfindenden Mitgliederversammlung nahm erstmals auch Pastor Kaisewitt teil, der sich gerne bereit erklärte, das Amt des Präses zu übernehmen. Dieses an den neuen Barger Geistlichen herangetragene Anliegen ist insofern bemerkenswert, als Wimbern trotz heftiger Proteste in Paderborn bereits 1977 im Rahmen der Angleichung der kommunalen und kirchlichen Gemeindegrenzen der St.-Antonius-Pfarrei in Wickede angeschlossen wurde (zum offiziellen Vollzug dieser Eingliederung kam es jedoch erst am 1.5.1981).

Auf dieser Generalversammlung 1979 wurde außerdem u.a. die Frage diskutiert, ob der Vizekönig in Zukunft wieder offiziell proklamiert werden sollte. Mit einem knappen Abstimmungsergebnis entschieden sich die Anwesenden aber gegen eine solche Regelung, so daß erst einige Jahre später (ab 1985) die Würde eines stellvertretenden Königs vergeben wurde.

Im April 1980 wurde am Schützenplatz eine Veränderung vorgenommen, die hoffentlich auch noch zum 200jährigen Jubiläum der Bruderschaft ihre Schatten werfen wird: Der Bauhof Wickede pflanzte fünf Linden, von denen eine später durch die ’Franz-Schröder-Eiche’ ersetzt wurde – sie werden auch kommenden Generationen sicherlich willkommene Schattenspender sein.

Das Vogelschießen dieses Jahres stellte wieder einmal unter Beweis, daß die Regentschaften durchaus nicht bereits lange im Vorfeld des Festes in einem „abgekarteten Spiel“ vergeben werden, wie es von Außenstehenden oft vermutet wird. Paul Schüpstuhl formulierte es als Schriftführer sehr humorvoll folgendermaßen:

„Mit dem 140. Schuß fegte Clemens Jahn kurz und trocken die Reste des hölzernen Vogels sauber aus seinem Horst. Er selbst hatte seine Feuerkraft wohl unterschätzt, denn er schien ein wenig überrascht über die plötzlich ihm entgegenfallende Würde, nicht so aber seine Schützenbrüder, die ihn stürmisch feierten.“ 

 

Der An- und Umbau der Schützenhalle

Im Herbst 1980 trat Fritz Osterhaus, der die Bruderschaft sechs Jahre lang geführt hatte, von seinem Amt zurück. Während seiner Amtszeit wurde u.a. der Hallenvorplatz gepflastert, so daß es heute auch bei ungünstigster Wetterlage möglich ist, die Schützenhalle trockenen Fußes zu erreichen. Zum neuen Brudermeister wurde der Vorjahreskönig Alfred Luig gewählt, in dessen Amtszeit das Schützendomizil sein Aussehen grundlegend verändern sollte. Erste Vorschläge zu den geplanten baulichen Veränderungen wurden von den Anwesenden bereits auf der Generalversammlung am 22. November 1980 lebhaft diskutiert; dennoch sollten bis zum ersten Spatenstich am 27. August 1982 noch einige Monate ins Land ziehen.

Das lag auch an dem Ergebnis der turbulenten Generalversammlung des Jahres 1981: Trotz des positiven Bescheides der Bauvoranfrage fand der Plan eines Um- bzw. Anbaus der Schützenhalle in einer ersten Abstimmung keine Mehrheit. Auch nachdem über das Für und Wider nochmals heftig und kontrovers debattiert worden war, enthielt sich ein großer Teil der Anwesenden der Stimme. Deshalb sah sich der Vorstand gezwungen, das Votum der Versammlung „als für nicht ausreichend im Sinne einer erfolgreichen Arbeit zu erklären“. Es sei ein Maß an Initiative und Eigenleistung erforderlich, das nur bei vollem Rückhalt der Schützen zu erwarten sei.

Zu diesem Zeitpunkt hätte wohl niemand der Anwesenden damit gerechnet, daß nach Ablauf eines weiteren Jahres der Rohbau schon fertiggestellt sein würde. Eine der zahlreichen außerordentlichen Generalversammlungen der Vereinsgeschichte, am 23. Januar 1982, brachte die notwendige breite Zustimmung der Mitglieder. Schon am 30. Oktober wurde gemeinsam mit zahlreichen Ehrengästen Richtfest gefeiert.

Abbildung 70: Großeinsatz beim Hallenbau (von links): Alfred luig, Udo Mundt, Thomas  Giese, Siggi Hofmann, Karl-Heinz Gutland, Bruno Plohmann, Willi Schulte, Karl Mundt,  Dietrich Wenzel, Armin Luig, Helmut Giese.
Abbildung 70: Großeinsatz beim Hallenbau (von links): Alfred luig, Udo Mundt, Thomas Giese, Siggi Hofmann, Karl-Heinz Gutland, Bruno Plohmann, Willi Schulte, Karl Mundt, Dietrich Wenzel, Armin Luig, Helmut Giese.
Abbildung 71: Clemens Jahn und Alfred Luig -  die beiden Motoren des An- und Umbaus der  Schützenhalle.
Abbildung 71: Clemens Jahn und Alfred Luig – die beiden Motoren des An- und Umbaus der Schützenhalle.

Für das Berichtsjahr 1982 ist noch eine weitere wichtige Veränderung zu erwähnen: Eine Satzungsänderung auf der ordentlichen Generalversammlung schuf die Voraussetzung für die Anerkennung der Gemeinnützigkeit der Bruderschaft. Außerdem setzte in diesem Jahr Hartmut Brutscheid als Schießmeister die Tradition seiner Familie fort: Sein Vater Fritz hatte die Wimberner Vogelschießen seit 1978 durchgeführt.

Rechtzeitig zum Schützenfest 1983 waren dann die Arbeiten am Hallenanbau abgeschlossen, so daß am 28. Mai zugleich der traditionelle Stangenabend und die Einweihungsfeier des vielgelobten Anbaus stattfanden. Dank des unermüdlichen Einsatzes zahlreicher Schützenbrüder, die alle Arbeiten fast ausschließlich in Eigenleistung erbrachten, blieben die Kosten für den Anbau auf 67.421 DM beschränkt. Wie schon beim Bau der Schützenhalle 1966/67 hatte sich der Gemeinschaftssinn der Schützen erneut bewährt. Offensichtlich verbindet gemeinsames Arbeiten genauso wie gemeinsames Feiern!

Die erstmals in „Wimberns guter Stube“ stattfindende Generalversammlung des 20. November 1983 brachte zwei wichtige Entscheidungen: Zum einen gründete sich auf Anregung des Brudermeisters Alfred Luig ein Gesangverein: Die Sänger treffen sich nun schon seit sieben Jahren regelmäßig in vierzehntägigem Rhythmus in der Gastwirtschaft Fildhaut, nach der sie sich den Namen „Sänger vom kühlen Grunde“ gaben.

Die zweite Entscheidung, von der die Rede war, bezieht sich auf die musikalische Gestaltung der Wimberner Schützenfeste: Nach langer Zusammenarbeit mit der Schützenkapelle aus dem Nachbarort Oesbern entschieden sich die anwesenden Mitglieder, im nächsten Jahr dem Orchesterverein Hemer Gelegenheit zu geben, seien ausgezeichneten Ruf unter Beweis zu stellen; inzwischen hat sich – trotz einer dreijährigen Unterbrechung – eine herzliche Beziehung zwischen den Hemeraner Musikern und den Wimbernern entwickelt.

Im März 1984 stellte sich Pastor Schmerbach als neuer Präses während des schon zur liebgewonnenen Gewohnheit gewordenen Altennachmittags vor. Wie humorvoll der neue Präses auf seine Schäflein zugehen konnte, stellte er bei vielen Festlichkeiten, besonders aber als „Schuljunge Oskar“ zu Karneval in der Bütt unter Beweis. Diese Eigenschaft sprach sich schnell auch bis zur Presse durch, die bereits am Tag nach dem Vogelschießen 1984 berichtete:

„Pastor Schmerbach hatte den spannenden Wettstreit unter der Vogelstange nach der Andacht eröffnet. Er gab damit als neuer Präses der Bruderschaft seinen gelungenen Einstand. Beim Vogelschießen schätzte man ihn aber noch mehr als brillanten Witze-Erzähler, wobei viele ihm insgeheim wünschten: unserem Pastor mögen seine Anekdoten nie ausgehen.“

Abbildung 72: Altennachmittag in Wimberns "guter Stube" - in der Bildmitte Pastor Schmerbach,  der ebenso wie alle anderen Gäste in die Lieder der "Sänger vom kühlen Grunde" einstimmte.
Abbildung 72: Altennachmittag in Wimberns „guter Stube“ – in der Bildmitte Pastor Schmerbach, der ebenso wie alle anderen Gäste in die Lieder der „Sänger vom kühlen Grunde“ einstimmte.

Die Karnevalsfeier 1985 präsentierte erstmals ein Programm, das fast ausschließlich von einheimischen Akteuren gestaltet wurde. Lediglich die „Bachstelzen“, eine Gruppe von Tänzern aus Reihen des Schützenvorstands, die bereits seit 1982 Bühnenerfahrung sammeln konnten, waren alte Hasen. Seit nunmehr sechs Jahren finden also Karnevalsveranstaltungen statt, zu deren Gelingen alle Wimberner Vereine gemeinsam beitragen – wie die Erfahrungen in anderen Orten zeigen, ist eine solche Einmütigkeit durchaus keine Selbstverständlichkeit.

Auch das Berichtsjahr 1986 verlief sehr harmonisch; zu vermerken ist lediglich, daß einige Vorstandsmitglieder ihre Treffsicherheit beim Vogelschießen ebenso bewiesen wie Schriftführer Gerhard Coerdt seinen Humor, als er über sie schrieb:

„Den Apfel holte sich, wie bereits im Vorjahr, Franz Korte. Wenn der so weitermacht, kann er bald eine Obsthandlung eröffnen… Vizekönig und damit Träger seiner eigenen Stiftung wurde wiederum Caspar Bilge. Ich möchte mal gerne wissen, ob er für sich oder für den Verein die Kette des Vizekönigs gestiftet hat. Hoffentlich geht er nicht eines Tages mit seiner Stiftung stiften.“

Daß beim Vogelschießen neben Zielvermögen aber noch andere – nahezu übersinnliche – Dinge eine Rolle spielen, zeigte sich ein Jahr später. Der Chronist berichtet:

„Der Montagmorgen begann schon recht eigenartig. Die Leute des Arbeitseinsatzes waren gerade mit ihrer Arbeit fertig, als Paul Kreutzmann mit der Pauke und Hubert Grundmeier mit den Becken zur Vogelstange zogen. Auf einmal war Hubert Grundmeier still. Was er in dieser Stille mit dem Vogel gezwitschert hat, habe ich zwar nicht verstanden, konnte es mir aber ein paar Stunden später denken. Auf jeden Fall kam er ganz verklärt vom Vogel zurück.“

 

Um 12.20 Uhr war Hubert Grundmeier, der 25 Jahre zuvor schon einmal regiert hatte, erneut Schützenkönig in Wimbern. Zur Königin wählte er Margret Backs, so daß der Graben 1988 – wenn auch mit einem Jahr Verspätung – doch noch zu dem Festzug kam, den heftige Niederschläge 1987 verhindert hatten. „Am Tag als der Regen kam“ wartete eine andere „Grabenkönigin“, Gabi Dümpelmann, mit ihrem König Horst Blome vergeblich auf das Antreten der Schützen.

Auf der Generalversammlung 1987 schied Willi Schulte, der in der Zeit seit 1957 in 25 Jahren drei Brudermeistern als Adjutant zur Seite gestanden hatte, aus dem Vorstand aus und wurde auf Beschluß der Mitglieder zum Ehrenadjutanten ernannt.

Von Oktober 1987, als Pastor Schmerbach Barge verließ, bis zum Amtsantritt durch Pastor Rapp im Dezember 1990 war das Pfarrhaus verwaist. Nicht aber die Schützenbruderschaft, die von Pater Kohler und den Mendener Geistlichen, insbesondere von Dechant Müller und Pastor Lingemann, sehr gut betreut wurde.

1988 war ein sehr ereignisreiches Vereinsjahr: So wurden z.B. in reger Eigenleistung Sanierungsarbeiten an der Schützenhalle durchgeführt, die unser Domizil nicht nur optisch stark aufwerteten, sondern auch seine Bausubstanz entscheidend vor Witterungseinflüssen schützen. Auch innerhalb der Halle wurde kräftig gearbeitet, denn eine Erneuerung der Sanitäranlagen war dringend erforderlich. Alle diese Aufgaben wurden rechtzeitig bis zu einem Konzert des Orchestervereins Hemer im April bewältigt.

Während am Schützenfestsamstag mit dem Singen der „Ode an die Freude“ vielleicht eine neue Tradition begründet wurde, ließ die Schützenbruderschaft am folgenden Sonntag eine alte wieder aufleben, als vor historischer Kulisse auf Nadermanns Hof der „Große Zapfenstreich“ gespielt wurde.

Dieses feierliche Musikstück hat seinen Ursprung bereits im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648), genauer gesagt im Schwedischen Krieg (1630-1635), in dem sich der schwedische König Gustav Adolf und Wallenstein, der die Truppen des habsburgischen Kaisers Ferdinand II. befehligte, gegenüberstanden. Wie in einer so langen kriegerischen Auseinandersetzung nicht anders zu erwarten, sank die Moral der Truppe zusehends. Um diesen Auflösungserscheinungen Einhalt zu gebieten, ließ Wallenstein allabendlich ein Signal blasen, das den Marketendern bedeutete, den Zapfen an den Fässern zu schließen. Wie es zu der Bezeichnung „Zapfenstreich“ kam, erklärt Klemens Pröpper in dem Heft „Das Arnsberger Schützenwesen“ folgendermaßen:

„Der Profos (Wachoffizier) und seine Waibel (heute Feldwebel) gingen von Zelt zu Zelt und zogen mit Kreide zwei breite Kreuzstriche oder Streiche über Tonnen (Fässer) und Zapfen, deren vorzeitige Entfernung mit strengen Strafen bedroht war. So hat sich aus dem ersten Kreidestrich über den Zapfen der feste Begriff „Zapfenstreich“ gebildet…“

Doch trotz dieser Maßnahme unterlag das Heer Wallensteins 1632 in der Schlacht bei Lützen. Der protestantische Monarch Gustav Adolf jedoch fiel in dieser Schlacht. (Wer weiß, ob sich andernfalls in einem verträumten Örtchen namens Wimbern im Jahr 1891 eine katholische Bruderschaft hätte gründen können?)

Ein wesentlicher Bestandteil des Zapfenstreiches, der die Flöten- und Trommelsignale ergänzt, wurde übrigens erst im Deutschen Befreiungskrieg gegen das napoleonische Frankreich im Jahr 1813 ergänzt: König Friedrich Wilhelm III. von Preußen hörte, wie im Lager der verbündeten Russen im Anschluß an den Zapfenstreich das Lied „Ich bete an die Macht der Liebe“ gesungen wurde. Er zeigte sich von diesem Gesang so beeindruckt, daß er befahl, dieses Abendsignal auch bei den preußischen Truppen einzuführen.

Doch nach diesem kurzen historischen Exkurs zurück zum Schützenfest 1988: Mit den drei Festtagen war der Tatendrang einiger der wackeren Schützen offensichtlich noch nicht erschöpft. Im Jahresbericht ist vermerkt:

„Über 30 Schützenbrüder bewiesen am Muckentag, daß sie ihr Pulver noch nicht verschossen hatten. Nach dem Säubern von Halle und Bierfässern überkam sie ein solcher Appetit, daß sie, trotz eines reichhaltigen Mahls, nicht nur die von Caspar Bilge gestifteten Würste, sondern auch den Hut des Hallenwartes Wilfried Lemkemeyer anschnitten. Die Stimmung erreichte ihren Höhepunkt, als ein innerbruderschaftliches Bierwagen- und Kühldroschkenunternehmen seinen Betrieb aufnahm.“

Erwähnenswert ist auch noch, daß im August die Feierlichkeiten aus Anlaß des 100jährigen Bestehens der befreundeten Nachbarbruderschaft St.-Sebastianus-Brockhausen besucht wurden und daß die Wimberner „Freizeitszene“ 1988 um ein Angebot bereichert wurde: Eine Tischtennis-Interessengemeinschaft trifft sich seither einmal wöchentlich in der Schützenhalle.

Die Generalversammlung 1989 brachte den teilnehmenden Mitgliedern eine Überraschung: Der amtierende Brudermeister Alfred Luig stellte den Antrag, bereits ein Jahr vor Ablauf seiner Amtszeit von seinen Aufgaben entbunden zu werden. Nach langer kontroverser Diskussion wurde seinem Antrag mit großem Bedauern stattgegeben.

Die Nachfolge Alfred Luigs als Brudermeister trat das langjährige Vorstandsmitglied Caspar Bilge an, der sich auch als Conférencier des Wimberner Karnevals bewährt hatte.

Nachdem das äußere Erscheinungsbild unserer Schützenhalle in tatkräftiger Eigenleistung durch zahlreiche Umbaumaßnahmen erheblich aufgewertet worden war, konnte 1990 – dank der großzügigen finanziellen Unterstützung der Großgemeinde Wickede – das Halleninnere in Angriff genommen werden. Die Fenster der Südseite wurden zugemauert und die der Nordwand auch im Interesse der Anwohner durch schallhemmende Verglasung ersetzt.

Der Beginn des Jubiläumsjahres 1991 brachte zunächst keinen Grund zu ausgelassener Freude: Die für den 9. Februar geplante Karnevalsfeier wurde unter dem Eindruck der am 16. Januar ausgebrochenen Kämpfe am Persischen Golf nach Absprache zwischen den beteiligten Vereinen und Akteuren einvernehmlich abgesagt. Damit mußte nach den beiden Weltkriegen wieder einmal einer schrecklichen Entwicklung und der schmerzlichen Erkenntnis Rechnung getragen werden, daß sich auch das Vereinsleben einer Schützenbruderschaft nicht in einem gesellschaftlichen und politischen Vakuum abspielt, sondern untrennbar in die Geschehnisse der Zeit eingebunden ist.